Ist der Frieden im Nahen Osten wirklich von Dauer? Nach Geheimdienstberichten wird der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wahrscheinlich Schritte unternehmen, um die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump um ein dauerhaftes Friedensabkommen mit dem Iran zu untergraben.
Israel scheine entschlossen zu sein, die Militäroperationen gegen die pro-iranische Hisbollah im Libanon fortzusetzen. Damit würde Israel ein Kernelement des gerade vereinbarten Abkommens missachten, das ein Ende der Kampfhandlungen auch im Libanon vorsieht.
Das berichtet NTV unter Berufung auf die "Washington Post". Netanjahu stehe innenpolitisch unter starkem Druck, den Krieg im Libanon fortzusetzen. Im Herbst wird in Israel gewählt. Jede Einstellung der Kampfhandlungen würde als Niederlage für Netanjahu angesehen, heißt es weiter.
Im Mai befürworteten laut einer Umfrage des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien 70 Prozent der Befragten eine Intensivierung des Kampfes gegen die Hisbollah. Die Spannungen zwischen der Regierung Netanjahus und Vertretern der Trump-Regierung könnten damit weiter wachsen.
Netanjahu wurde aus Washington eindringlich gewarnt, Angriffe gegen die Hisbollah zu starten, die Trumps Abkommen gefährden könnten. Bei einer Pressekonferenz in Frankreich sagte Trump, er habe eine "kleine Meinungsverschiedenheit über den Libanon" mit Netanjahu.
Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur meldete, israelische Kampfflugzeuge und Drohnen hätten Nabatija im Libanon ins Visier genommen. Dabei seien mindestens 16 Menschen getötet worden. Nabatija ist eine Hochburg der Hisbollah.
Die USA fürchten, dass Israels Weigerung, seine Truppen aus dem Süden des Landes abzuziehen, das fragile Abkommen zwischen den USA und dem Iran zum Scheitern bringen könnte.
"Die fortgesetzte Besetzung von Teilen des Libanons ist ein Rezept für eine Katastrophe", zitiert die Washington Post einen Beamten.
Der ehemalige israelische Militärgeheimdienstanalyst Danny Citrinowicz analysierte die Situation: "Er muss mitansehen, wie sein größter Rivale, das iranische Regime, von der US-Regierung gestärkt wird – und er kann nichts dagegen tun."