Nach monatelangen Kämpfen und tausenden Todesopfern haben die USA und der Iran einen wichtigen Schritt in Richtung Frieden gesetzt. Die Staatschefs beider Länder unterzeichneten ein Rahmenabkommen, das den seit Ende Februar andauernden Krieg beenden soll. Die Vereinbarung wurde international mit großer Erleichterung aufgenommen.
US-Präsident Donald Trump setzte seine Unterschrift am Mittwochabend überraschend im Schloss Versailles unter das Dokument. Der Iran bestätigte wenig später, dass auch Präsident Massud Peseschkian das Abkommen unterzeichnet habe. Vermittler Pakistan erklärte zudem, die strategisch wichtige Straße von Hormus werde nun wieder für den Schiffsverkehr geöffnet.
Der Konflikt hatte am 28. Februar mit Angriffen der USA und Israels auf den Iran begonnen. Die Folgen waren weltweit spürbar: Neben den schweren Verlusten im Iran und im Libanon sorgte der Krieg auch für steigende Energiepreise.
Die Unterzeichnung durch Trump erfolgte unerwartet am Rande seines Frankreich-Besuchs nach dem G7-Gipfel. Nach einem Abendessen im Schloss Versailles erklärte der US-Präsident: "Hab's gerade unterzeichnet."
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Trump nach dem Gipfel in Évian eingeladen. Nach einem rund dreistündigen Aufenthalt reiste der US-Präsident wieder ab.
In Teheran wurde die Unterschrift von Präsident Peseschkian laut Angaben des Außenministeriums elektronisch geleistet. Sprecher Esmaeil Bakaei bestätigte dies laut der staatlichen Nachrichtenagentur Irna.
Ursprünglich war vorgesehen gewesen, dass das Abkommen am Freitag nahe Luzern von US-Vizepräsident JD Vance und dem iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf offiziell unterzeichnet wird. Laut Bakaei ist dieser Schritt nun offenbar nicht mehr notwendig.
Pakistans Regierungschef Shebaz Sharif sieht das allerdings anders. Auf der Plattform X erklärte er, die Veranstaltung in der Schweiz solle dennoch stattfinden. Dort könnten bereits Gespräche über ein endgültiges Friedensabkommen auf technischer Ebene beginnen.
Sharif kündigte außerdem an, dass der Iran die Straße von Hormus "unverzüglich" wieder für die internationale Schifffahrt freigeben werde. Im Gegenzug würden die USA ihre Blockade iranischer Häfen ebenfalls "sofort" beenden.
Die Märkte reagierten prompt: Der Rohölpreis gab am Donnerstag erneut um rund ein Prozent nach.
Trotz der Einigung bleiben zahlreiche Streitpunkte ungelöst. Besonders die Zukunft des iranischen Atomprogramms soll erst in den kommenden Wochen verhandelt werden. Dafür wurde eine 60-tägige Frist vereinbart.
Ghalibaf machte bereits deutlich, dass Teheran künftig Gebühren für die Nutzung der Straße von Hormus einheben möchte. Nach Ablauf der Verhandlungen werde sein Land bei der für den globalen Ölhandel wichtigen Passage "nicht zu den Vorkriegsbedingungen zurückkehren".
"Der Iran hat das Recht auf Souveränität über die Straße von Hormus und natürlich werden wir eine Servicegebühr erhalten", sagte Ghalibaf in einem Interview im Staatsfernsehen.
Laut dem Rahmenabkommen soll die vollständige Wiederherstellung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge innerhalb von 30 Tagen erfolgen. Ghalibaf bezeichnete die Vereinbarung insgesamt als einen "Beleg für das Scheitern der USA".
Ein weiterer möglicher Konfliktpunkt betrifft den Libanon. Auf iranisches Drängen enthält das Abkommen auch Bestimmungen zum Ende israelischer Angriffe auf die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz. Dennoch flog Israel am Mittwoch erneut Angriffe im Süden des Libanon.
Die USA sehen dagegen vor allem die Zusage Teherans als Erfolg, Bestände hochangereicherten Urans zu verdünnen. Dies soll unter Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) erfolgen und den Bau von Atomwaffen verhindern.
Im Gegenzug soll der Iran wieder Öl exportieren dürfen. Zudem könnten weitere Wirtschaftssanktionen fallen, falls innerhalb der 60 Tage ein endgültiges Friedensabkommen erzielt wird.
Darüber hinaus stellt die Vereinbarung dem Iran einen Wiederaufbau- und Entwicklungsfonds von "mindestens 300 Milliarden Dollar" (rund 260 Milliarden Euro) in Aussicht. Die USA wollen sich daran nach Angaben eines US-Vertreters jedoch nicht finanziell beteiligen.
Noch vor der Unterzeichnung hatte Trump den Ton deutlich verschärft. Für den Fall von Verstößen gegen die Vereinbarung kündigte er militärische Konsequenzen an.
"Wenn sie sich nicht benehmen, dann werden wir sofort wieder Bomben genau mitten auf ihren Kopf abwerfen", sagte der US-Präsident am Rande des G7-Gipfels.
China und Russland forderten inzwischen eine vollständige Umsetzung des Abkommens. Mehrere EU-Staaten, darunter Deutschland, signalisierten grundsätzlich Bereitschaft, sich an einer Mission zur Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte jedoch klar, ein deutscher Beitrag stehe "unter dem Vorzeichen einer ganzen Reihe von Voraussetzungen, die noch nicht erfüllt sind".