Seltene Einigkeit zwischen den USA und Russland: Beide Großmächte nehmen Annalena Baerbock ins Visier. Der Grünen-Politikerin wird vorgeworfen, sich in die Kompetenzen des UN-Sicherheitsrats eingemischt zu haben – und zwar bei der Auswahl des nächsten UN-Generalsekretärs.
Russlands UN-Botschafter Vassily Nebenzia zeigte sich "besorgt über die Rolle, die sich die Präsidentin der Generalversammlung selbst zuzuschreiben versucht". Damit schloss er sich einer Kritik aus Washington an.
US-Botschafterin Jennifer Locetta bezeichnete Baerbocks Vorgehen als "Kompetenzüberschreitung" und "unverantwortlich", schreibt n-tv.de unter Berufung auf dpa. Baerbock sehe sich als "diplomatischen Superstar".
Hintergrund ist, dass Baerbock sich für ein transparentes Auswahlverfahren bei der Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres einsetzt. "Es ist Zeit für eine Frau", hatte sie der "Süddeutschen Zeitung" gesagt. Guterres scheidet Ende des Jahres aus dem Amt.
Die Grünen-Politikerin hatte unter anderem öffentliche Befragungen der acht Bewerber organisiert. Bei einer Veranstaltung stimmte das Publikum über die Kandidaten ab – laut Diplomaten war das erstmals so.
Baerbock bekleidet das einjährige Amt noch bis Anfang September. Ursprünglich war die deutsche Top-Diplomatin Helga Schmid für den Posten vorgesehen gewesen. Nach der verlorenen Bundestagswahl beanspruchte Baerbock den Posten für sich – und erntete dafür auch international Kritik.