Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt vor einer neuen Eskalationsstufe bei der pro-iranischen Gruppe Harakat Aschab al-Jamin al-Islamija (HAYI) in Europa. "Neu ist die Warnung HAYIs, sich nunmehr nicht mehr nur auf 'einfache' Angriffe zu beschränken, sondern langfristig auch gefährlichere Tatmittel einzubeziehen", erklärte die Behörde auf Anfrage des "Handelsblatts" (Dienstagsausgabe). Damit ist gemeint, dass die Gruppe möglicherweise von Brandstiftungen zu Anschlägen mit Sprengstoff oder Waffen übergehen könnte.
Seit dem 9. März gab es mehrere Anschläge auf jüdische und US-amerikanische Einrichtungen in verschiedenen europäischen Ländern, auch in Deutschland. Die Gruppe HAYI hat sich laut Verfassungsschutz vor allem zu Brandanschlägen mittels Videos bekannt. Die Taten fanden "jeweils in den Nacht- oder frühen Morgenstunden und verliefen bislang ohne Personenschäden" statt. Besonders betroffen waren Einrichtungen in den Benelux-Staaten und Großbritannien.
Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass hinter der Gruppe ein irakisch-schiitisches Netzwerk steckt. "Die Organisation nutzt unterschiedliche Kanäle aus dem schiitisch-extremistischen und pro-iranischen Bereich in verschiedenen sozialen Medien, um über ihre Aktivitäten zu berichten", so die Behörde. HAYI nennt "zudem neuerdings klar ihre politische Motivation hinter den Taten und droht offen israelischen Einrichtungen sowie den sogenannten 'Feinden des Islams' in Europa".
In den letzten Wochen wurden im Großraum London sechs Ziele angegriffen, darunter ein jüdischer Rettungsdienst und ein persischsprachiges Medienunternehmen. Beim jüngsten Angriff am Samstag wurde eine Flasche mit Brandbeschleuniger durch das Fenster einer Synagoge in Harrow nahe London geworfen. Laut der Organisation SITE Intelligence Group hat die bisher wenig bekannte Gruppe HAYI die Verantwortung für einen Teil der Angriffe übernommen. Die Gruppe soll enge Verbindungen zum Iran haben.