Herzensprojekt verwirklicht

"Verflucht normal": Regisseur steckt Hauserlös in Film

"Verflucht normal" erzählt die Geschichte des Tourette-Aktivisten John Davidson. Regisseur Kirk Jones spricht mit "Heute" über sein Herzensprojekt.
18.05.2026, 07:40
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Mit "Verflucht normal" kommt am 29. Mai ein berührendes Drama ins Kino, das auf dem Leben des Tourette-Aktivisten John Davidson basiert. Regisseur und Drehbuchautor Kirk Jones erzählt darin die wahre Geschichte eines Jungen, der Anfang der 1980er Jahre in einer schottischen Kleinstadt aufwächst und plötzlich starke Ticks und unkontrollierte Ausrufe entwickelt. Was damals kaum jemand als Tourette-Syndrom erkennt, führt zu Ausgrenzung, Spott und Strafen – in der Schule genauso wie zuhause.

Erst Jahre später findet John durch die Freundschaft zu seinem früheren Klassenkameraden Murray und dessen Mutter Dottie langsam zurück ins Leben. Die Krankenschwester begegnet ihm ohne Vorurteile, vermittelt ihm Arbeit im örtlichen Gemeindezentrum und gibt ihm neuen Halt. Schritt für Schritt gewinnt John dadurch wieder Vertrauen in sich selbst. Genau diese Mischung aus Schmerz, Hoffnung und Humor machte die Geschichte für Regisseur Kirk Jones so besonders.

The echte John Davidson mit seinem treuen Begleiter. John lebt heute mit seinem Hund alleine in Scottish Borders in Schottland.
I Swear Limited

Damit diese Geschichte möglichst authentisch erzählt werden konnte, finanzierte Jones den Film sogar selbst – und riskierte dafür den Erlös seines verkauften Familienhauses. Gemeinsam mit seiner Frau setzte er das emotionale Herzensprojekt schließlich um.

Und das sagt der Regisseur zu John's Geschichte

Im "Heute"-Gespräch erzählt Jones, dass ihn John Davidson seit einer alten TV-Dokumentation nicht mehr losgelassen habe. Besonders berührte ihn eine spätere Szene, in der John sagt: "Ich bin 25 Jahre alt und wünsche mir einfach nur eine Freundin." Für Jones war klar, dass er keinen Film machen wollte, der Menschen mit Tourette bloßstellt. "Oft wurden Betroffene nur eingeladen, um andere zu unterhalten – nicht um aufzuklären", sagt der Regisseur. Deshalb entschied er gemeinsam mit John, die Geschichte möglichst authentisch zu erzählen.

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Der schottische Tourette-Aktivist John Davidson wurde im Juli 2019 von Queen Elizabeth II. persönlich im Palace of Holyroodhouse in Edinburgh mit dem Orden MBE (Member of the Order of the British Empire) ausgezeichnet.
© One Story High/ Tempo Productions, I Swear

Johns schwere Kindheit

Auch Johns schwierige Familiengeschichte spielt im Film eine zentrale Rolle. Sein Vater verließ die Familie früh, der Kontakt brach jahrelang ab. Besonders belastend war für John das Gefühl, selbst schuld daran zu sein. "John würde wahrscheinlich sagen, dass sein Vater wegen ihm gegangen ist", erzählt Jones. Gleichzeitig betont der Regisseur aber, dass er niemanden verurteilen wolle. In den 1980er Jahren habe kaum jemand verstanden, was Tourette überhaupt ist.

"Ich glaube nicht, dass ich damals unbedingt anders reagiert hätte", sagt Jones offen. Deshalb war ihm wichtig, Johns Eltern nicht als "Bösewichte" darzustellen. Einer der emotionalsten Momente des Films sei deshalb die Entschuldigung seiner Mutter: "Es tut mir leid, John, dass ich es nicht besser machen konnte."

John (Robert Aramayo) und seine Mutter (Shirley Henderson) im Biopic.
© One Story High/ Tempo Productions, I Swear

Johns Tick während der BAFTA-Verleihung

Dass "Verflucht normal" einen Nerv trifft, zeigt auch der Erfolg des Films. Das Drama erhielt bereits sieben BAFTA-Nominierungen. Für besonderes Aufsehen sorgte ein Moment während der Preisverleihung, als John Davidson aufgrund seines Tourette-Syndroms einen unkontrollierten rassistischen Ausruf machte, während Michael B. Jordan auf der Bühne stand. Das Publikum war zuvor darüber informiert worden, dass Menschen mit Tourette anwesend sein würden – und reagierte mit Unterstützung statt Ablehnung. John wurde applaudiert und gefeiert. Für Kirk Jones ein bewegender Moment: "Wer hätte damals gedacht, als John Angst hatte, überhaupt das Haus zu verlassen, dass ihm eines Tages Leonardo DiCaprio und all diese unglaublichen Schauspieler applaudieren würden?"

Die Polizei nimmt John fest, weil er sagt, dass er Drogen verkauft.
I Swear Limited

Trotz schwerer Themen verliert "Verflucht normal" nie seinen Humor. Genau das habe ihn an John fasziniert, erzählt Jones: "Sogar John selbst konnte über manche seiner Ausrufe lachen." Der Film zeigt eindrucksvoll, wie wichtig Verständnis und Menschlichkeit sind – und wie viel sich verändert, wenn Menschen nicht auf ihre Krankheit reduziert werden.

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