Luxus-Trips statt Prozess

"Verheerende Folgen" – Fake-Ärztin gesteht fast alles

Jahrelang soll sich eine 46-Jährige in Wien als Ärztin ausgegeben und ohne Genehmigung Beauty-Eingriffe gemacht haben. Jetzt startet der Prozess.
Christian Tomsits
23.07.2026, 10:59
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Jahrelang soll sich Studienabbrecherin Sanaz M. (46) gemeinsam mit ihrer Schwester in Wien als Beauty-Ärztin ausgegeben und ohne nötigen Zulassungen als "Frau Doktor" sogar Schönheits-Behandlungen wie Hyaluron für Lippen, Wangen, Nase und Kinn, Botox-Spritzen oder Fett-weg-Ampullen angeboten und auch durchgeführt haben – wir berichteten.

Viele Opfer wurden verletzt, eine Frau verlor nach einer Spritze beinahe ihre Nase, ist für ihr Leben entstellt. Der Fall hatte bereits Anfang 2023 für Schlagzeilen gesorgt, als nach einer City-Razzia für die 46-jährige Alleinerzieherin kurzzeitig die Handschellen klickten. In U-Haft kam die Frau jedoch nie.

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Shopping-Trip wurde ihr zum Verhängnis

Ihr wurde lediglich verboten, sich weiter als Ärztin auszugeben und ihr Schönheitsinstitut zu betreten. Den Reisepass abgeben musste sie allerdings nicht. Das nutzte die Deutsch-Iranerin schamlos aus: Noch vor dem für März 2026 angesetzten Prozess setzte sie sich in den Iran ab und ließ ausrichten, sie könne das Land nicht mehr verlassen.

Doch heimliche Shopping-Trips nach Paris samt Insta-Stories mit nagelneuem Designer-Täschchen wurden ihr zum Verhängnis. Am 23. Mai wurde sie aufgrund eines EU-Haftbefehls in der französischen Hauptstadt festgenommen und nach Österreich ausgeliefert.

Fake-Beauty-Ärztin ohne Make-Up

Fast hundert Geschädigte fordern nun am Wiener Straflandesgericht Gerechtigkeit (Opfervertreter u.a. Christian Werner, Alfred Boran). Sie wurde in Handschellen vorgeführt – zwar im Nadelstreif-Kostüm, aber ohne die gewohnt dicke Schminke, und die langen Haare waren von der Haft sichtlich zersaust.

Kleinlaut nahm sie in der Mitte Platz: "Es gibt eine Vielzahl an Delikten, nicht nur die Schönheitsoperationen – sondern auch Vermögensdelikte", erklärte der Staatsanwalt. "Es geht auch um Veruntreuung von Firmengeldern im großen Stil – mehr als 300.000 Euro."

Die Anklage lautet unter anderem auf Untreue, schweren gewerbsmäßigen Betrug, schwere Körperverletzung, Kurpfuscherei sowie betrügerische Krida. Auch ihre in der Beauty-Klinik involvierte Schwester wird in einem getrennten Verfahren verfolgt und soll als Zeugin aussagen.

Star-Anwalt Rudi Mayer verteidigte die Ex-Schönheits-Expertin am Wiener Landl, sie bekannte sich zur Kurpfuscherei und Körperverletzung, sowie zu einzelnen Betrugshandlungen "schuldig".
Denise Auer

"Alles war professionell aufgezogen. Die Schönheitsklinik war mit Vorraum, Mitarbeitern, die Angeklagte ist als Ärztin aufgetreten und hat die Kundinnen getäuscht." Im Rahmen eine Hausdurchsuchung wurden Injektionsnadeln und illegale Substanzen gefunden – "auch Botox ist verwendet worden, was allein Ärzten vorbehalten ist. Die Angeklagte hat mit der Gesundheit der Patienten gespielt – mit verheerenden Folgen", so der Staatsanwalt.

Langwierige Nachbehandlungen und sogar Notoperationen wurden bei Patienten notwendig. Über ihren Verteidiger Rudi Mayer hatte sie im Ermittlungsverfahren zunächst alle Vorwürfe zurückgewiesen, vor Gericht machte der Anwalt hinsichtlich der Kurpfuscherei reinen Tisch, sie  bekannte sich "teilweise schuldig".

Falsche Ärztin legt Teilgeständnis ab

Bezüglich der Schönheitsoperationen gestand sie aber alles. "Ja, ich bin schuldig und habe mich als Ärztin ausgegeben. Aber dass sie so lange gelitten haben, war mir nicht bekannt. Ich wollte niemandem wehtun, wollte immer das beste Ergebnis haben, um weitere Kunden gewinnen zu können", entschuldigte sie sich, und fügte hinzu, dass sie sehr aufgeregt sei.

Den Vorwurf, illegale Produkte verwendet zu haben, bestritt sie. "Meine Produkte waren CE-zertifiziert", behauptete sie. Der Prozess dauert noch an. Im Fall einer anklagekonformen Verurteilung drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft. Die Unschuldsvermutung gilt.

{title && {title} } ct, {title && {title} } Akt. 23.07.2026, 12:29, 23.07.2026, 10:59
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