Verriet sich IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi selbst?

Wurde dem IS-Chef ein Video vom April zum Verhängnis? Ex-Scotland-Yard-Mann David Videcette gibt Hinweise auf die Analysearbeit der Geheimdienste (Videoproduktion: 20 Minuten/Manuel Täuber).
Wurde dem IS-Chef ein Video vom April zum Verhängnis? Ex-Scotland-Yard-Mann David Videcette gibt Hinweise auf die Analysearbeit der Geheimdienste (Videoproduktion: 20 Minuten/Manuel Täuber).
25 Millionen Dollar hatten die USA auf ihn ausgesetzt: IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi wurde nach jahrelanger Flucht in der Nacht auf Sonntag getötet.
Mindestens dreimal wurde er bereits für tot erklärt– bislang bestätigten sich die Berichte allerdings nie: In der Nacht auf Sonntag wurde IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi nun bei einer Geheimoperation der USA in Nordwestsyrien getötet. "Al-Bagdadi starb wie ein Hund", bestätigte Präsident Donald Trump offiziell die Todesmeldung. Der IS-Führer soll sich selbst in die Luft gesprengt haben.

Al-Bagdadi gehörte zu den meistgesuchten Terroristen der Welt. Die USA hatten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar haben auf ihn ausgesetzt. Er trat nur selten in der Öffentlichkeit auf und sein Aufenthaltsort war unbekannt.

Zwei öffentliche Auftritte

Lange war auch unklar, wie al-Bagdadi aussieht, bis er überraschend wenige Tage nach der Ausrufung des Kalifats im Juni 2014 in der al-Nuri-Moschee im nordirakischen Mossul auftauchte und die Freitagspredigt hielt.

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Bis im Frühling dieses Jahres wurde er danach nicht mehr gesehen – auch wenn immer wieder unbestätigte Audiobotschaften von ihm auftauchten. Im April erschien der IS-Chef schließlich in einem Propaganda-Video, in dem er sich auf das Ende der Gefechte um die IS-Bastion Baghus im Osten Syriens im März bezog.

Drei Ehefrauen, zwei Kinder

Dass sich al-Bagdadi unverhüllt in einem Video gezeigt hat, könnte ihm nun zum Verhängnis geworden sein. Amerikanischen Medien zufolge soll al-Bagdadi in der Provinz Idlib aufgespürt worden sein und sich selbst in die Luft gesprengt haben, um seiner Festnahme zu entgehen.



Das Versteck des Anführers sei entdeckt worden, als er versucht habe, seine Familie aus Idlib heraus zur Grenze zur Türkei zu bringen. Al-Bagdadi soll eine syrische und zwei irakische Ehefrauen und mindestens zwei Kinder haben.

2003 in US-Haft im Irak

Nach offiziellen irakischen Angaben wurde al-Bagdadi am 1. Juli 1971 als Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri in Samarra geboren. Er ist der drittälteste von vier Söhnen und entstammt einer Familie von Bauern. An der Universität Bagdad machte er einen Abschluss in Islamischen Studien.

Nach dem Sturz von Diktator Saddam Hussein im Jahr 2003 befand er sich in US-Haft im Irak. Eine Zeit lang war er in Abu Ghraib interniert, danach im Camp Bucca. Nach dem US-Einmarsch im Irak soll er sich erstmals Aufständischen der Widerstandsgruppe Ansar as-Sunna angeschlossen haben.

IS-Offensive im Sommer 2014

Al-Bagdadi steht seit Mai 2010 an der Spitze der Terrormiliz, die als Al-Qaida-Ableger im Irak begann. Die sunnitischen IS-Fanatiker hatten im Sommer 2014 Teile des Iraks und Syriens erobert. Mit Gräueltaten und blutigen Anschlägen brachte der Islamische Staat viele Iraker und Syrer sowie die internationale Gemeinschaft gegen sich auf.

In den vergangenen Jahren folgte eine Niederlage auf die andere, und nach dem Verlust des letzten Dorfs in Ostsyrien blieben nur noch wenige Terror-Zellen des Islamischen Staates übrig, in denen sich al-Bagdadi Unterschlupf finden konnte.

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