Verurteilte Bloggerin fürchtet, im Gefängnis zu sterben

Ein Polizist deckt eine Kamera ab, um Journalisten an der Aufnahme von Filmmaterial vor dem Gericht zu hindern, wo Zhang Zhan vor Gericht steht.
Ein Polizist deckt eine Kamera ab, um Journalisten an der Aufnahme von Filmmaterial vor dem Gericht zu hindern, wo Zhang Zhan vor Gericht steht.LEO RAMIREZ / AFP / picturedesk.com
Die am Montag verurteilte Bloggerin Zhang glaube, dass sie im Gefängnis sterben werde. Sie werde es nämlich "bis zum Ende" ablehnen zu essen.

Wie bereits berichtet, wurde die 37-jährige Bloggerin Zhang Zhan wegen ihrer kritischen Berichterstattung über die Ausbreitung des Coronavirus in Wuhan zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt. Das Urteil erging bei einem nur kurzen Gerichtstermin am Montag in Shanghai, wie einer ihrer Anwälte mitteilte. Die Frau war in dem Verfahren laut von der Nachrichtenagentur AFP eingesehenen Gerichtsdokumenten beschuldigt worden, mit ihren Berichten "Streit geschürt und Unruhe gestiftet" zu haben.

Sie habe "eine große Menge an Fake News" über die Lage in der chinesischen Millionen-Metropole Wuhan veröffentlicht, hieß es in der Klage gegen die 37-jährige Zhang Zhan. Des Weiteren habe die Bloggerin ausländischen Medien von Radio Free Asia bis zur Epoch Times Interviews gegeben, um die Covid-19-Situation in Wuhan "auf bösartige Weise anzustacheln".

Großes Echo auf ihre Wuhan-Berichte

Die ehemalige Anwältin Zhang hatte in Live-Berichten über die Reaktion der Behörden auf das neuartige Virus berichtet. In einem im Februar veröffentlichten Essay schrieb sie, dass die Behörden die Bevölkerung nicht mit genug Informationen versorgt und die Stadt "einfach abgesperrt" hätten. "Dies ist eine gewaltige Verletzung der Menschenrechte", schrieb sie. Ihre Berichte waren im Februar in Online-Plattformen auf ein breites Echo gestoßen.

Im Mai wurde Zhang festgenommen. Ihr Gesundheitszustand ist nach Angaben ihrer Anwälte "extrem schlecht". Zhang war im Juni in einen Hungerstreik getreten.

Sie will Essen "bis zum Ende ablehnen"

Zhang habe "bestürzt" gewirkt, als das Urteil gegen sie ergangen sei, sagte ihr Anwalt Ren Quanniu nach dem Prozessende vor Journalisten. Ihre Mutter habe bei der Verlesung des Strafmaßes laut geschluchzt. Zhang glaube, dass sie im Gefängnis sterben werde, sagte Ren weiter.

Als er sie vergangene Woche besucht habe, habe sie gesagt, dass sie es "bis zum Ende" ablehnen werde zu essen, falls sie eine hohe Strafe erhalte. "Es ist eine extreme Methode des Protests gegen diese Gesellschaft und diese Lebenswelt", fügte der Anwalt hinzu.

Ein weiterer Verteidiger, Zhang Keke, sagte, seine Mandantin fühle sich "psychisch erschöpft". Jeder Tag sei "wie Folter" für die 37-Jährige. Selbst um zur Toilette zu gehen, benötige sie Hilfe.

Rigorose Abschottungs- und Quarantänemaßnahmen

In Wuhan war das Coronavirus Ende vergangenen Jahres erstmals bei Menschen festgestellt worden. Innerhalb weniger Wochen verbreitete es sich massiv in der Millionenmetropole. Am 23. Januar wurde Wuhan dann von den Behörden abgeriegelt. In den folgenden Tagen wurde die Maßnahme auf die gesamte Provinz Hubei ausgedehnt, in der Wuhan liegt. Von China aus verbreitete sich das Virus in die ganze Welt.

In China selbst wurde das Virus durch die rigorosen Abschottungs- und Quarantänemaßnahmen jedoch weitgehend zurückgedrängt. Die Führung des Landes rühmt ihren Kampf gegen das Virus seit Monaten als große Erfolgsgeschichte. Informationen über die Pandemie werden streng zensiert.

Strafverfolgung gegen Zhang als Schauprozess

Menschenrechtsgruppen sehen in der Strafverfolgung gegen Zhang einen Schauprozess. Die Behörden wollten ihren Fall nutzen, "um andere Dissidenten davon abzuhalten, Fragen zur pandemischen Situation in Wuhan in diesem Frühjahr zu stellen", sagte Leo Lan von der Organisation Chinese Human Rights Defenders.

Außer Zhang waren wegen ihrer Berichterstattung über die Situation in Wuhan zu Jahresbeginn noch drei weitere Blogger festgenommen worden. Zhang war die erste unter ihnen, der der Prozess gemacht wurde. Versuche der Nachrichtenagentur AFP, die anderen drei Festgenommenen zu kontaktieren, blieben bislang erfolglos.

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