Verurteilter Arzt! Jetzt wurden Spitalschefs suspendiert

Das Spital in Krems
Das Spital in KremsDaniel Schreiner
Weil alle Warnungen ignoriert worden sein sollen, wurden jetzt beide Direktoren des Spitals Krems freigestellt. Grund: Jener Arzt mit Vorgeschichte.

So etwas gab es in der (zugegeben eher noch jungen) Geschichte der Landesgesundheitsagentur Niederösterreich bis dato noch nie: Der ärztliche Direktor sowie der kaufmännische Direktor eines Landesklinikums wurden suspendiert, das Dienstverhältnis mit dem Arzt (es gilt die Unschuldsvermutung) wurde mit Donnerstag beendet.

Zwei Suspendierungen

Erst am Mittwoch hatten zwei Medien ("Heute" und "Kurier") den Fall rund um die Beschäftigung eines nicht rechtskräftig verurteilten Mediziners im Spital Krems öffentlich gemacht. Erst dadurch war Bewegung in die Causa gekommen, die verantwortliche Landesgesundheitsagentur, die offenbar tatsächlich nichts wusste, zog jetzt die Reißleine.

"Wie gestern mitgeteilt, hat die Zentrale der NÖ LGA am Montag, den 19. September, von den Vorwürfen gegen besagten Arzt erfahren. Daraufhin wurde dieser unverzüglich vom Dienst enthoben. Nach umfangreichen internen Recherchen wurde das Dienstverhältnis am Donnerstag beendet und dabei ermittelt, dass die Informationsweitergabe zu dieser Causa durch das UK Krems an die Zentrale der LGA nicht erfolgt ist. Dieser Sachverhalt wird derzeit geklärt, wobei wir uns um die Einbeziehung der Patientenanwaltschaft bemühen. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse werden die Verantwortlichen vom Dienst freigestellt", so eine Sprecherin der Landesgesundheitsagentur am Donnerstag.

Wie berichtet war im Jänner 2021 der Missbrauchsverdacht gegen den Ex-Feuerwehrarzt, Ex-AKH-Arzt und Ex-Jugendleiter aufgetaucht. "Heute" hatte damals (am 15. Jänner 2021) als erstes Medium darüber berichtet - mehr dazu hier. Das AKH Wien und der beschuldigte Arzt gingen fortan getrennte Wege, der Mediziner heuerte mit Erfolg im Spital Krems als Oberarzt auf der Anästhesie an. Mit 1. März 2021 trat er in Krems seinen Dienst an und lehrte zusätzlich an einer Privatuni junge Studentinnen.

Im Dezember 2021 musste der Doktor in Korneuburg auf die Anklagebank. Dabei legte der Mittdreißiger ein Geständnis ab, wurde wegen sexuellen Missbrauchs Unmündiger und wehrloser Personen zu drei Jahren Haft verurteilt - mehr dazu hier. Aber der Anwalt des Arztes legte Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein, das Urteil war somit nicht rechtskräftig, der Arzt hatte weiterhin eine weiße Weste und es galt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Aber bereits Anfang Mai 2022 war die Spitalsführung in Krems sowie die Leitung der Privatuni per E-Mail vom Vorleben des Arztes informiert worden - alles dazu hier. "Unglaublich, dass diese Mail und Warnung einfach ignoriert worden ist", so ein Insider aus dem Umfeld der Uni.

Arzt unterrichtete bis 12. Mai 2022

Eine Sprecherin der Privatuni bezog am Donnerstag wie folgt Stellung: "Die Karl Landsteiner Privatuniversität hat am 4. Mai 2022 keine Mail zur aktuellen Causa und damit auch keine Links zur einschlägigen Berichterstattung erhalten. Die Studiengangsleitung Humanmedizin wurde erstmals am 5. Mai 2022 per Mail von einer Studierenden über den Fall informiert. In Abstimmung mit dem Rektorat wurde der Sachverhalt intern analysiert, der betroffene Arzt hat am 12. Mai 2022 das letzte Mal für die Universität unterrichtet und wurde seitdem nicht mehr in der Lehre berücksichtigt. Gemeinsam mit einer Vertreterin der Anlaufstelle für Gleichbehandlungsfragen wurde am 23. Juni 2022 ein Gespräch mit der Studierendenvertretung geführt. Der Universität sind per dato keine Zwischenfälle aus dem klinischen Unterricht bekannt. Der Fall wird der Ombudsstelle für Studierende zur Untersuchung übergeben. Nicht richtig ist die Behauptung, dass der betroffene Arzt bis gestern als Lehrender geführt wurde, ebenso wenig stimmt, dass im Zuge der aktuellen Medienanfrage ein Schreiben an alle Studierenden ergangen sei. Beide Behauptungen entsprechen nicht den Tatsachen.Für die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften hat es oberste Priorität, dass die Studierenden ein sicheres und geschütztes Umfeld in ihrer Ausbildung vorfinden. Jede Meldung eines Übergriffs wird von der Universitätsleitung umgehend verfolgt und von den entsprechenden Gremien und Ombudsstellen behandelt. Es ist der Universität ein zentrales Anliegen, jeder Form der Diskriminierung des Geschlechts, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, sexueller Orientierung oder Behinderung entgegenzuwirken, Studierende und Mitarbeiter der KL in diesen Angelegenheiten zu beraten und zu unterstützen sowie solchen Vorfällen in Zukunft vorzubeugen."

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