"Völlig absurd" – scharfe Kritik an Wiens Corona-Regeln

Tourismusministerin Elisabeth Köstinger kündigte harte Strafen an.
Tourismusministerin Elisabeth Köstinger kündigte harte Strafen an.GEORG HOCHMUTH / APA / picturedesk.com
Dass Wien bei den Corona-Regeln einen anderen Weg wählt, "versteht in der Bevölkerung mit Sicherheit niemand", so die Tourismusministerin.

Während auf Bundesebene auch die letzten aufrechterhaltenen Regeln gelockert werden oder ganz fallen, wählt Wiens Bürgermeister Michael Ludwig einen Sonderweg. Eine Situation wie vergangenen Herbst, als man ungebremst in die 4. Welle schlitterte, soll um jeden Preis verhindert werden.

Anders als in den restlichen Bundesländern zählen künftig in Wien die Wohnzimmertests etwa nicht mehr als Eintrittstests. Auch Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren brauchen dann einen 3-G-Nachweis. Und während die Kontaktdatenerhebung in der Gastro am 22. Juli fällt, bleibt diese in Wien zumindest über den Sommer aufrecht.

Unverständnis

Über die bundesweiten Lockerungen freut sich auch Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. Sie verweist auf die erfolgreiche Öffnungsstrategie seit 19. Mai, den laufende Impffortschritt und die niedrige Inzidenz von 7,6. Zwar haben nur 38 Prozent einen vollständigen Impfschutz, doch die Zahl der Neuinfektionen ist beinahe konstant zweistellig.

Umso unverständlicher ist es für Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, dass Wien die Corona-Regeln im Alleingang verschärft. Die Ministerin reagiert mit Unverständnis und harscher Kritik: "Am Tag vor gut geplanten bundesweiten Öffnungsschritten einseitig die Regeln zu ändern, ist völlig absurd. Das ist genau das Gegenteil von Planungssicherheit, was die Stadt Wien hier veranstaltet."

"Das ist vollkommen unprofessionell und ein Schlag ins Gesicht tausender Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich gewissenhaft vorbereitet haben und nun überfallsartig geänderte Regeln umsetzen sollen. Auch bei den Gästen stiftet diese chaotische Vorgangsweise völlig unnötige Verwirrung."

Schlag ins Gesicht

Die Ministerin findet zudem, dass die Vorgangsweise Wiens "völlig an der epidemiologischen Realität vorbei" gehe. "Wir liegen bei einer 7-Tages-Inzidenz von 7,6 (AGES), die Zahl der Neuinfektionen lag zuletzt bei 59 Fällen in den letzten 24 Stunden, es gibt keinen plausiblen Grund für diese Verschärfungen", so Köstinger.

Auch der Testpflicht für Kinder ab sechs Jahren steht die Tourismusministerin negativ gegenüber. Die Gruppe von sechs bis 14 Jahren weist aktuell mit 17,5 die zweithöchste Inzidenz aller Altersgruppen auf, nur unter den 15- bis 20-Jährigen ist sie höher. "Dass Wien nun die 3G-Regel auf Kinder ab 6 Jahren ausweitet, macht die Planungen für viele Familien extrem schwierig und greift in eine bislang sehr gut funktionierende bundesweite Teststrategie ein", so Köstinger.

Abschließend: "Über eine Verschärfung von Maßnahmen kann man nachdenken, falls Infektionskurven sich nach oben entwickeln, nicht aber, wenn sie seit Wochen sinken. Die Öffnungsschritte am 19. Mai und am 10. Juni haben gezeigt, dass man mit der Einhaltung der 3G-Regel, entsprechenden Kontrollen der Zertifikate und dem laufenden Impffortschritt im Kampf gegen die Pandemie erfolgreich ist. Warum Wien den Bürgerinnen und Bürgern in einer Phase der Erholung nun unverständlich strenge Regeln aufbürden will, versteht in der Bevölkerung mit Sicherheit niemand."

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