Mit "Das Signal" legt Ursula Poznanski erneut einen Thriller vor, der den Nerv der Zeit trifft – und stürmt damit direkt auf Platz 1 der Belletristik-Hardcover-Charts.
Nach dem KI-getriebenen Spannungserfolg "Die Burg" bleibt die Wiener Bestsellerautorin dem digitalen Kosmos treu, verlagert das Geschehen diesmal jedoch in einen beklemmend privaten Raum. "Ich finde solch technische Themen superspannend, weil es auch Themen sind, die noch nicht 100 Mal von den Kollegen durchgekaut wurden, wo man noch ein bisschen die Spur im Neuschnee ziehen kann. Diese Themen zünden mich an", so die 57-Jährige im ORF-Interview.
Schon der erste Satz setzt den Ton: "Ich weiß sofort, dass etwas fehlt". Was fehlt, ist nicht nur ein Körperteil. Die junge Innenarchitektin Viola Decker wacht nach einem Unfall im Krankenhaus auf – ihr linker Unterschenkel wurde amputiert, die Erinnerung an das Geschehen ist ausgelöscht.
Zurück bleibt ein diffuses Gefühl des Verlusts. Und der Verdacht, dass ihr Mann Adam mit dieser neuen Realität womöglich schlechter umgehen kann als sie selbst.
„Es ist ein bisschen wie Alfred Hitchcock's 'Das Fenster zum Hof', aber mit viel besserer Technik, plus einer Prise von Stephen King's 'Misery'. Und trotzdem ganz anders“Ursula Poznanski
Adam ist ein bekannter, medial präsenter Meinungsforscher, souverän, beliebt, kontrolliert. Er organisiert eine Pflegerin, kümmert sich um Termine – doch den dringend nötigen barrierefreien Umbau ihres abgelegenen Hauses verschleppt er immer wieder. Viola bleibt im Erdgeschoss gefangen.
Ihr Alltag ist geprägt von Abhängigkeit und Unsicherheit. Dinge verschwinden, Aussagen widersprechen sich, Abende dauern länger als angekündigt.
Schließlich greift sie selbst zur Technik: Sie bestellt GPS-Tracker, beginnt Wege und Bewegungen zu überwachen und kontrollieren – und gerät in ein Netz aus widersprüchlichen Informationen.
Poznanski greift damit das hochaktuelle Thema "Digital Stalking" und Überwachung im privaten Raum auf. Was als Versuch beginnt, Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen, entwickelt sich zu einem perfiden Spiel aus Misstrauen und Manipulation. Bald stellt sich die Frage: Wer beobachtet hier eigentlich wen?
"Es ist ein bisschen wie Alfred Hitchcock's 'Das Fenster zum Hof', aber mit viel besserer Technik, plus einer Prise von Stephen King's 'Misery'. Und trotzdem ganz anders", beschreibt Poznanski selbst ihren jüngsten Roman.
Dieser funktioniert dabei nicht nur als Technologie-Thriller, sondern auch als psychologisch dichtes Kammerspiel. In der Enge des Hauses entsteht eine klaustrophobische Atmosphäre, die an einen Domestic Noir erinnert.
Zwischen Fürsorge und Kontrolle, Liebe und Macht verschwimmen die Grenzen. Auch Viola selbst ist keine verlässliche Erzählerin – und das macht "Das Signal" so raffiniert.
Poznanski, die mit "Erebos" ihren internationalen Durchbruch feierte, schreibt seit Jahren erfolgreich für Jugendliche wie Erwachsene.
"Ich schreibe Thriller sowohl für Jugendliche (...) als auch für Erwachsene (...) und finde die Abwechslung ausgesprochen erfrischend." Insgesamt sind bei Droemer-Knaur – inklusive "Das Signal" – neun Romane von ihr erschienen, die Gesamtauflage liegt bei über fünf Millionen Exemplaren.
Mit "Das Signal" beweist Ursula Poznanski einmal mehr ihr Gespür für gesellschaftliche Brennpunkte. Der Thriller verhandelt die Frage, wie viel Sicherheit Technik verspricht – und wie schnell sie zur Waffe werden kann. Ein nervenaufreibendes Katz-und-Maus-Spiel, das lange nachhallt und zeigt: Manchmal ist das gefährlichste Signal jenes, das nur ganz leise gesendet wird.