Nach der extremen Hitze im Juni ist aus Sicht mehrerer Wetterexperten noch lange keine Entspannung in Sicht. Stattdessen könnte Mitteleuropa ein außergewöhnlich heißer und trockener Sommer bevorstehen.
Meteorologe Jörg Kachelmann findet dafür deutliche Worte. Auf der Plattform X schrieb er: "Es wird ein Scheißsommer für weite Teile Mitteleuropas". Dazu setzte er die Hashtags Hitze und Dürre. Grundlage seiner Einschätzung seien aktuelle Monatsprognosen des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF). Auch für den August sehe es "ziemlich katastrophal" aus.
Ähnlich beurteilt Meteorologe Karsten Brandt die Lage. "Die Situation ist eine Katastrophe, wir haben eine historische Trockenlage. Fische sterben, Vögel finden kaum noch Wasser, die Feuerwehr kämpft gegen Waldbrände und die Schifffahrt mit Einschränkungen. Teile des Südens und Westens trocknen aus. So gesehen haben wir 2026 einen echten Scheißsommer. Man könnte ihn auch tödlich nennen", sagt er zur BILD.
Die derzeit "etwas kühleren" Temperaturen bewertet Brandt hingegen positiv. "Das ist immer eine Frage der Perspektive. Dem einen ist es zu kalt und zu nass, anderen zu warm und zu trocken." Auch Ende Juni hätten sich manche noch mehr Hitze gewünscht. "Das Wetter ist doch herrlich. Im belgischen Viertel in Köln konnte man gestern bis spät in den Abend mit kurzen Klamotten draußen sitzen", stellt der Meteorologe klar.
Sorgen bereitet ihm allerdings der Blick auf die kommenden Wochen. In vielen Regionen könnte laut Brandt kaum Regen fallen, gleichzeitig verdunsten täglich zehn oder mehr Liter Wasser pro Quadratmeter. "Dann reden wir noch mal völlig anders über die Lage", sagt Brandt gegenüber der BILD.
Auch Diplom-Meteorologe Dominik Jung hält eine weitere Hitzewelle in der deutschen Boulevardzeitung für wahrscheinlich. Temperaturen wie die zuletzt gemessenen 41,8 Grad in Möckern-Drewitz könnten zwischen Ende Juli und Mitte August erneut erreicht werden.
"Etabliert sich in dieser Zeit eine blockierende Hochdrucklage und trocknen die Böden weiter aus, ist ein neuer Rekord nicht auszuschließen", so Jung zur BILD. Ein solches Szenario sei allerdings eher unwahrscheinlich.
Auch Johannes Habermehl von Meteored Deutschland rechnet mit einer Rückkehr der Hitze. "Die kleine Abkühlung nach der Juni-Hitze ist nur eine kurze Verschnaufpause. Bis Mitte des Monats klettern die Temperaturen vielerorts wieder auf 27 bis 33 Grad - im Süden und Westen bleibt es nachts teils bei über 20 Grad. Für die zweite Julihälfte sieht es danach aus, als könnte sich die Hitze festsetzen und von Tag zu Tag noch zulegen", wird er in der BILD zitiert.