VW Golf II GTI: Größer, bequemer – auch besser?

Der Golf II GTI hatte es nicht leicht. Schließlich hatte sein Vorgänger eine neue Fahrzeugklasse initiiert und eine riesige Fangemeinde erreicht.

Dass der VW Golf der zweiten Generation längst zum Oldtimer geworden ist, kann man eigentlich kaum glauben. Dank seiner Langzeitqualitäten sieht man ihn noch vergleichsweise oft im Straßenverkehr, auch als GTI. Bei dessen Präsentation vor 34 Jahren befürchteten viele GTI-Fans, dass die Dynamik des Vorgängers damit passé sein würde. Schließlich war der Golf der zweiten Generation deutlich gewachsen. In zeitgenössischen Tests schnitt der "Neue" aber gut ab.

Der 1974 erstmals gezeigte Golf I war für Volkswagen zur wichtigsten Modellreihe geworden. Sechs Millionen Exemplare waren in rund zehn Jahren verkauft worden. Entsprechend vorsichtig agierte man, als es darum ging, den Nachfolger zu entwickeln. Die Rahmenbedingungen für den in Frankfurt im September 1983 offiziell vorgestellten zweiten Golf waren klar: Der "Neue" musste komfortabler werden, mehr Platz bieten und einige dem Vorgänger angekreidete Mängel beseitigen.

Mit der Gestaltung wurde die interne Designabteilung beauftragt und schon damals gab es kritische Stimmen. Die praktische Vorzüge aber überwogen; schließlich war nicht nur der Innenraum, sondern auch der Kofferraum etwas größer geworden und dem Wind setzte die breitere und höhere Karosserie dank von 0,42 auf 0,34 gesenktem cw-Wert weniger Widerstand entgegen.

Von Anfang an als GTI

Vom Start weg gab es den neuen Golf wiederum als GTI. Wie sein Vorgänger unterschied er sich durch mattschwarze Kotflügelverbreiterungen von den schwächeren Modellen. Auch den Motor übernahm er vom letzten GTI der ersten Generation. Allerdings sorgte etwas Feinschliff dafür, dass die Nennleistung von 112 PS nun bereits bei 5500 anstatt 5800 Umdrehungen anfielen und das maximale Drehmoment von 153 auf 155 Nm anstieg.

Schließlich hatte es der neue Golf mit 70 kg mehr Gewicht zu tun, war dieses im Leerzustand doch von 890 auf 960 kg angewachsen. So ließ sich der GTI zwar ein paar Zehntel mehr Zeit für den Spurt von 0 bis 100 km/h (8,9 Sekunden), lief dafür aber etwas schneller (193 km/h) und leiser (3 dBA bei 100 km/h).

Die Befürchtungen, dass der gewachsene GTI seinem Vorgänger nicht das Wasser würde reichen können, wurden schnell widerlegt. Die Konkurrenz (Opel Kadett GTE, Ford Escort XR3) pulverisierte der überarbeitete GTI im Vergleichstest jedenfalls. Komfortabler, sicherer und leiser war er noch dazu.

Gute Manieren

Kaum jemand wird in einem Zweitgenerations-Golf nach dem Handbuch suchen müssen, um das Fahrzeug erfolgreich in Betrieb zu nehmen und zu fahren. Alles geht einfach zur Hand. Der Golf startet zuverlässig, das Fünfganggetriebe mit Golfball-Schaltknopf lässt sich gut schalten, die Bremsen packen und alles ist dort, wo man es erwarten würde.

Einmal in Fahrt, würde man sich allerdings ab und zu das doch etwas knackiger agierende Fahrgestell des ersten Golfs und auch dessen sportlichen Klangäußerungen wünschen. Der gesteigerte Komfort im zweiten Golf hat aus der Sicht eines vergangenheitsorientierten Klassikerfans auch Nachteile.

Die Sitze sind aber immer noch hervorragend und spätestens wenn man dann doch einmal ein paar Leute mitnehmen will, freut man sich über den verfügbaren Platz. Und auf der Autobahn schlägt der neue Golf den alten summa summarum sowieso.

Weitere Informationen, Bilder und ein Tonmuster gibt es auf www.zwischengas.com.

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