Sie galten als das erfolgreichste Brüderpaar der Formel 1, doch hinter Pokalen, Millionen und Glamour wartete für Michael und Ralf Schumacher eine Welt, auf die sie offenbar niemand vorbereitet hatte. Während Michael Schumacher mit sieben Weltmeistertiteln zur Legende wurde, kämpfte sein jüngerer Bruder Ralf jahrelang mit den Schattenseiten des Ruhms.
Im Interview mit dem "Erfolg"-Magazin blickt der ehemalige Rennfahrer nun ungewöhnlich offen auf die Zeit zurück, als die beiden zwischen 1997 und 2006 gleichzeitig in der Formel 1 unterwegs waren.
"Ich glaube, auf das, was dann passiert ist, wäre keiner richtig vorbereitet gewesen. Das macht etwas mit einem, wenn man aus seiner Komfortzone herauskommen muss", erzählt der 50-Jährige. Besonders belastend sei für ihn gewesen, plötzlich unter Dauerbeobachtung zu stehen.
"Man hat keine Privatsphäre mehr. Egal, wo du bist, egal, was du tust: Du fühlst dich beobachtet – und vor allem auch beurteilt. Das ist unangenehm." Selbst harmlose Restaurantbesuche seien zum Problem geworden: "Dann heißt es gleich: 'Ist er so arrogant, dass er nicht mal aufstehen und ein Foto machen kann?' Diese Dinge erlebt man."
Vor allem der Vergleich mit seinem weltberühmten Bruder habe den Druck enorm verstärkt. "In meinem Fall war es natürlich ein bisschen schwerer, weil ich einen Bruder hatte, der extrem erfolgreich war", sagt Ralf Schumacher rückblickend. Dabei habe er sich nie als Mensch gesehen, der unbedingt im Rampenlicht stehen wollte. "Nein, im Gegenteil: Ich wollte immer meine Ruhe haben."
Heute ist Michael Schumacher seit seinem schweren Skiunfall im Dezember 2013 komplett aus der Öffentlichkeit verschwunden. Die Familie schützt seinen Gesundheitszustand bis heute konsequent vor neugierigen Blicken.
Nur selten gibt es kleine persönliche Einblicke – wie zuletzt zu seinem Geburtstag, als Tochter Gina ein älteres Familienfoto veröffentlichte und dazu schrieb: "Für immer der Beste." Ralf wird demnächst seine Hochzeit im Zuge einer Sky-Serie zeigen. Es bleibt spannend, ob er dabei auch seinen Bruder in irgendeiner Form erwähnen wird.