Vonn kam bei der Olympia-Abfahrt in Cortina vor vier Wochen schwer zu Sturz. Sie hängte mit der rechten Hand beim Tor ein, wurde ausgedreht und verletzte sich schwer. Die US-Amerikanerin erlitt einen komplexen Bruch des Schienbeins, wurde mittlerweile bereits fünf Mal operiert. Damit war der Traum von Olympia-Gold für die Star-Läuferin geplatzt.
Und auch der Traum vom Abfahrts-Weltcup. Den hatte Vonn nämlich zum Zeitpunkt des heftigen Sturzes noch komfortabel angeführt. Mit vier ausstehenden Rennen rückten die Konkurrentinnen aber immer näher, und sitzen Vonn bereits im Nacken. Die Deutsche Emma Aicher hat den Rückstand auf die US-Amerikanerin auf 14 Punkte reduziert. Zwei Saisonabfahrten stehen noch auf dem Programm. Schon am Samstag kann die Deutsche die Führung im Abfahrts-Weltcup übernehmen. Dann wäre Vonns Kristall-Traum endgültig geplatzt.
Im Vorfeld zeigte sich die 41-Jährige jedenfalls hochemotional. "Ich hatte das Rote Trikot der Weltcup-Führenden vom ersten Saisonrennen bis jetzt. Aber am Samstag wird es wahrscheinlich der letzte Tag als Nummer eins sein. Zu Saisonbeginn hätte niemand daran geglaubt, dass ich dieser Position nur nahe kommen kann. Leute hätten mich ausgelacht. Aber diesen Titel zu gewinnen, war mein Ziel. Und ich bin schmerzhaft nahe dran gewesen, das zu schaffen", schrieb Vonn in einem Instagram-Posting, das sie im Trikot der Führenden im Abfahrts-Weltcup zeigt. Dazu einen Screenshot des aktuellen Stands im Abfahrts-Weltcup.
"Ich war in jedem einzelnen Weltcuprennen auf dem Podest, habe zwei Siege, ich habe den Weg zurück an die Spitze geschafft, nachdem ich sechs Jahre lang zurückgetreten war mit einer Teilprothese im Knie", zählte Vonn die Erfolge der letzten Monate auf. "In den nächsten Tagen wird sich niemand mehr daran erinnern, dass ich beinahe den Abfahrts-Weltcup gewonnen hätte. Aber ich werde mich daran erinnern", schrieb die 41-Jährige. "Ich wollte den Titel nicht, um irgendjemandem irgendetwas zu beweisen, ich wollte es, weil ich wusste, dass ich es drauf habe. Ich wünschte, ich hätte eine Chance, bis zum Ende der Saison zu kämpfen", schrieb Vonn emotional weiter.
"Aber warum bedeutet mir der Titel so viel? Warum weine ich der Kristallkugel nach?", fragte Vonn dann. Und gab sich selbst die Antwort. "Weil Skifahren meine größte Leidenschaft war, mir immer Freude bereitet hat. Aber nicht noch einen Titel mehr zu haben, bedeutet nicht, dass diese Saison weniger herausragend ist. Es nimmt nichts weg von der Freude, am Start zu stehen, ins Ziel zu fahren, und die Nummer eins neben meinem Namen zu sehen. Es ändert nichts an der großartigen Zeit, die ich mit meinem Team hatte. Meine Tränen bedeuten nur, dass es mir wichtig war", schrieb die 41-Jährige.
Skifahren sei ihre Leidenschaft. "Ob ich es jemals wieder tun kann, wird man erst sehen. Aber ich habe zumindest die Erinnerungen, mit oder ohne Titel. Es gibt so viel, wofür ich dankbar sein kann", schloss Vonn dann.
In ihrer langen und erfolgreichen Karriere hat Vonn 84 Weltcupsiege eingefahren, viermal den Gesamtweltcup gewonnen und insgesamt 13 Mal die kleine Kristallkugel in der Abfahrt oder dem Super-G gewonnen.