Österreich

Wegen Teuerung – Expertin rechnet mit mehr Obdachlosen

Wegen steigender Kosten befürchten Hilfsorganisationen einen Anstieg an Wohnungslosen. Das Geld würde Betroffenen an allen Ecken und Enden fehlen.
Christian Tomsits
13.07.2022, 06:13
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Rund 23.000 Menschen sind in Österreich derzeit obdachlos. Eine betroffene Wienerin meldete sich im Ö1-Morgenjournal zu Wort. Gemeinsam mit ihrem Hund besucht Martina die Obdachloseneinrichtung "neuenerhaus", bei der Menschen wie ihr geholfen wird zu und sagt: "Der Hund ist mein Trost und mein Schatz. Er ist das Einzige was mir geblieben ist."

Vor Ort bekommt sie regelmäßig etwas zu essen und konnte sich bei einem Zahnarzt kostenfrei die Zähne sanieren lassen. Damit habe sie bessere Chancen beim AMS und auf eine Wohnung, erklärt sie. Sie ist nicht die einzige Obdachlose vor Ort, doch trotz hoher Energiepreise und stetig ansteigender Mieten gab es zuletzt noch keinen Anstieg Wohnungsloser zu verzeichnen, so die Geschäftsführerin der Einrichtung. "Das hängt damit zusammen, dass es Delogierungsstopps gegeben hat oder eben Maßnahmen wie der Wohnschirm greifen", so Daniela Unterholzner.

Doch würden zuletzt immer wieder Menschen mit einer Energierechnung in der Hand und jede Menge Existenzängsten auftauchen, schlägt sie Alarm. Ihre Hilfsorganisationen rechnet daher nun bald mit steigenden Obdachlosenzahlen, da viele ihre Wohnung so nicht mehr lange halten werden können. Dann sei es oft nur ein kleiner Schritt in die Wohnungslosigkeit. "Für die nächsten Wochen und Monate rechnen wir mit einem Anstieg und verstärkter Nachfrage nach unseren Angeboten", sagt Unterholzner.

Sozialminister Rauch denkt Mietobergrenze an

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) will langfristig über Maßnahmen nachdenken
TOBIAS STEINMAURER / APA / picturedesk.com

Nach der Finanzkrise im Jahr 2008 nahm die Zahl der Obdachlosen in den darauffolgenden fünf Jahren um ein Drittel zu, erinnert sich die Expertin. Der Sozialminister Johannes Rauch will daher auch langfristig etwas gegen zu hohe Mieten machen. Das gehe nicht von heute auf morgen, meint er. Mietobergrenzen und mehr gemeinnützigen Wohnbau nennt er als Beispiele für langfristige Maßnahmen seines Minsiteriums. Wegen steigender Preise müsse man sich aber momentan auf vielfältige Krisensituation vorbereiten. "Wir als Gesellschaft insgesamt sind gefordert", erklärt er.

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