Gegen Besucherandrang

Weltberühmte Attraktion in Rom verlangt jetzt Eintritt

Es ist wohl die einfachste Lösung, den Besuchermassen Herr zu werden: Die Gebühr soll Besucher abschrecken, spült dafür Geld in die Stadtkasse.
Nick Wolfinger
08.02.2026, 15:00
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30.000 Menschen drängen sich im Schnitt vor dieser Attraktion – und das Tag für Tag. Das ist nicht nur für die Touristen ärgerlich, die darum kämpfen müssen, einen guten Platz für ein Selfie zu erhaschen. Für Einheimische ist die Gegend wegen der Besuchermassen tagsüber zu einer regelrechten No-Go-Area geworden.

9 Millionen Besucher im Jahr

Die Rede ist vom weltberühmten Trevi-Brunnen in Rom. Mit neun Millionen Besuchern pro Jahr gehört der im 18. Jahrhundert errichtete Monumentalbrunnen zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Viele Touristen werfen beim Besuch des Brunnens Münzen in das Becken – im Glauben, es bringe Glück.

Bis zu 4.000 Euro am Tag kommen so zusammen – also über eine Million Euro im Jahr. 2022 waren es sogar 1,5 Millionen Euro. Dieses Geld wird jedoch nicht für den Erhalt des Brunnens oder Reinigungskräfte verwendet. Seit 2006 geht das Geld direkt an die römische Caritas. Und das soll sich auch nicht ändern. Außerdem ist der Hauptzweck der Eintrittsgebühr, die Besuchermassen zu regulieren.

Kübelweise werden die Münzen aus dem Trevi-Brunnen zum Trocknen auf einen großen Tisch gelegt. Tag für Tag. Sie gehen direkt an die Caritas in Rom.
Reuters

Teure Instandhaltung

Der Stadtverwaltung bringt es hingegen vor allem eines: Zusätzliche Arbeit. Jeden Abend waten Reinigungskräfte mit einem riesigen Spezial-"Staubsauger" durch den Brunnen, um die Münzen einzusammeln. Andernfalls wäre der Grund des Beckens schon nach wenigen Tagen vor lauter Metall nicht mehr zu sehen.

Der Brunnen aus dem 18. Jahrhundert, der von Nicola Salvi entworfen wurde, ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt und zieht jährlich über vier Millionen Besucher an. Er ist auch in Rom und darüber hinaus zu einer Ikone geworden und diente im Laufe der Jahre als Kulisse für zahlreiche Filme und Fernsehsendungen, darunter der Audrey Hepburn-Film "Roman Holiday" von 1953 und der Fellini-Klassiker "La Dolce Vita" von 1960.

Erst vor etwas mehr als einem Jahr wurde der Brunnen aufwendig um 300.000 Euro renoviert. Seit 1. Februar müssen die Besucher etwas zum Erhalt und der Reinigung des Brunnens beitragen. Statt ins Wasser sollen Touristen ihre Münzen nun zwei Euro pro Kopf in einen Kassa-Automaten werfen. Schätzungen der Stadtverwaltung zufolge könnten die Eintrittskarten für den Zugang zum Trevi-Brunnen jährlich 6,5 Millionen Euro einbringen.

Ausnahmen für Einheimische

Das neue Zugangssystem gilt werktags von 11.30 bis 22.00 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 9.00 bis 22.00. Die große Piazza vor dem Brunnen bleibt für alle frei zugänglich. Wer einen näheren Blick auf den Brunnen werfen will, muss zahlen.

Ausgenommen sind alle Einwohner Roms. Und auch Menschen mit Behinderung und deren Begleitpersonen sowie Kinder unter sechs Jahren erhalten gratis Zugang.

Übertourismus weltweites Phänomen

Orte in aller Welt leiden unter den Folgen des Über-Tourismus. Venedig hat seit 2024 schrittweise ein Eintrittsgeld für Tagestouristen an besonders besucherreichen Tagen eingeführt, um die Menschenmassen besser zu steuern. Auf den Kanaren und den Baleareninseln gab es bereits wiederholt Proteste gegen die Folgen des Urlauberansturms.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 08.02.2026, 15:00
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