Not im Land wird größer

Caritas-Direktor: "Bräuchten eigentlich mehr Spenden"

Klaus Schwertner spricht im großen "Heute"-Interview über die Kürzungen im Sozialbereich, einsame Weihnachten und bitter notwendige Unterstützung.
Clemens Oistric
23.12.2025, 05:35
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Er erinnert zum Fest daran, jene nicht aus den Augen zu verlieren, die am Rand der Gesellschaft stehen: Caritas Direktor Klaus Schwertner sprach mit "Heute" (Video in voller Länge unten) u.a. über:

Soziales Klima im Land

"Der Wind wird rauer, es wird kälter – und das hat nicht nur mit den Temperaturen im Winter zu tun, sondern auch, wie politische Debatten geführt werden und wie aktuell Sparmaßnahmen vorgenommen werden."

Video: Der Talk mit dem Caritas-Chef

Armut

"Der Druck auf die Ärmsten steigt. Es ist von der Politik nicht sinnvoll, Menschen auszurichten, sie sollen den Gürtel enger schnallen, wenn sie schlicht kein Loch mehr im Gürtel haben. In Wirklichkeit muss man schauen, dass die Luft zwischen arm und reich kleiner und nicht größer wird."

Kürzungen

"Sehen wir als Caritas mit großer Sorge. In Wien müssen wir nach über 40 Jahren das Sozialpsychiatrische Zentrum mit Ende Jänner schließen, weil uns mit 1. Jänner die Förderungen des psychosozialen Dienstes zu 100% gestrichen werden. Oft habe ich das Gefühl, dass gar nicht geschaut wird, wie viel Schaden bei vergleichsweise geringem Einsparungspotenzial angerichtet wird."

Mahnung an die Politik

"Es fehlen vielfach aktuell strukturelle Reformen und auf der anderen Seite wird in Hauruckaktionen gespart – zuletzt habe schon vom Panikmodus gesprochen – wo man das Gefühl hat, es gerät einiges sehr grundsätzlich ins Wanken."

Wie du jetzt helfen kannst

Wenn die Temperaturen sinken, wird Kälte für Obdachlose zur tödlichen Gefahr. "Menschen ohne Zuhause fehlt der Schutz, den vier Wände bieten", so Caritas-Präsidentin Nora Tödtling-Musenbichler. Ihr Appell: Nicht wegschauen, sondern das Kältetelefon der Caritas Wien (01/4804-553) informieren, wenn ein Obdachloser Hilfe benötigt. Auf caritas.at kann man Wärmepakete oder Schlafsäcke spenden. Speziell zu Weihnachten kann man unter dem Motto "Schenken mit Sinn" online Geschenke erstehen, die Freude machen und Gutes tun.

Kälte und Einsamkeit

"Niemand soll auf den Straßen unseres Landes erfrieren. Bitte speichern Sie die Nummer des Kältetelefons im Handy ein." Einsame finden beim Plaudertelefon 05 1776 100 offene Ohren. Schwertner weiß nämlich: "Weihnachten ist für viele Menschen einer der traurigsten Tage des Jahres."

Sein Appell daher: "Nicht lange zuzuwarten, wenn man unter Druck gerät. Egal, ob man sich einsam fühlt oder in eine Notsituation gerät: einfach die Nummer des Plaudernetzes wählen oder in eine unserer 69 Sozialberatungsstellen in Österreich kommen. Das Problem ist nicht, dass es Sozialmissbrauch gibt, sondern dass sich Menschen viel zu spät an uns wenden, wenn sie dringend Hilfe brauchen."

Spendenbereitschaft der Österreicher

"Es gibt nach wie vor eine große Solidarität, eine große Hilfsbereitschaft und auch eine große Spendenbereitschaft in Österreich. Was wir seit circa zwei Jahren jedoch beobachten, ist, dass die Spenden zwar nicht massiv zurückgehen, aber stagnieren. Bei steigenden Kosten und einer größeren Not im Land bedeutet das, dass wir eigentlich mehr Spenden bräuchten, um die Hilfe sicherzustellen, die viele Menschen dringend brauchen."

{title && {title} } coi, {title && {title} } Akt. 27.01.2026, 11:38, 23.12.2025, 05:35
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