Die Weltmeere sind so warm wie selten zuvor – und die Temperaturen steigen weiter. Die aktuelle Entwicklung erinnert an die Situation im Frühjahr 2023, als die globalen Meerestemperaturen begannen, die Höchstwerte früherer Jahre mit immer größerem Abstand zu übertreffen.
"Aktuell sind die Temperaturen bereits spürbar oberhalb der Werte von 2023 und gleichauf mit den bisherigen Rekorden von 2024, die mit dem El-Niño-Ereignis von 2023/24 einhergingen", erklärt Helge Gößling, Klimaphysiker am Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Bremerhaven.
Wie spiegel.de berichtet, zeigt die aktuelle Entwicklung, dass die Rekorde von 2023/24 kein absoluter Ausreißer waren. "Vielmehr sind wir auf absehbare Zeit auf einem stetigen Erwärmungspfad", so Gößling. Im März und April wurden bereits an mehreren Tagen die Höchstwerte aus dem Vorjahr übertroffen.
Mojib Latif vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel weist auf eine alarmierende Tatsache hin: Die Meere fungieren seit Jahrzehnten als gewaltiger Wärmepuffer. Sie nehmen rund 90 Prozent der Wärme auf, die sich durch den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre staut.
Langfristig werde aber ein Teil dieser Wärme wieder abgegeben. Dieser Nachlauf des gigantischen Wärmespeichers Ozean sei ein physikalischer Grund dafür, dass sich eine über zwei Grad hinausgehende Erderwärmung kaum mehr vermeiden lasse, erklärt der Klimaforscher.
Klar sei laut Latif, dass die El-Niño-Auswirkungen in einer immer wärmeren Welt stärker ausfallen: "Es ist mehr Energie im System, Stürme und Regenfälle werden dadurch im Mittel stärker." Im Sommer sollte klarer sein, ob tatsächlich ein Ereignis eintritt, das neue globale Rekorde mit sich bringt.