Wegen Virus: Blutspende-Verbot für Italien-Urlauber

Großaufnahme einer Stechmücke beim Blutsaugen. Symbolfoto.
Großaufnahme einer Stechmücke beim Blutsaugen. Symbolfoto.Bild: iStock
Das von Mücken übertragene West-Nil-Virus rückt immer näher an die Alpen. In der Schweiz reagiert man jetzt auf die Bedrohung.
Im Schweizer Tessin wurden kürzlich 140 Personen von den Blutspendezentren wieder nach Hause geschickt. Der Grund: Sie hielten sich in den letzten Wochen in Nordostitalien auf – etwa in Venedig. Dort breitet sich das potenziell tödliche West-Nil-Virus immer weiter aus – "heute.at" berichtete.

123 Menschen haben sich dieses Jahr alleine in Italien mit dem Krankheitserreger angesteckt, wie das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldet. Auch in Österreich können vermutlich bald Tausende Italien-Urlauber nicht Blutspenden.

Das Risiko, sich in Österreich anzustecken und an West-Nil-Fieber zu erkranken, ist derzeit laut AGES Österreich allerdings noch sehr gering. In Österreich wurden bislang (Stand Juli 2018) insgesamt 23 im Inland erworbene West Nil Virus-Fälle dokumentiert. Die wahrscheinlichen Ansteckungsorte sind in Wien und in Niederösterreich zu finden. Es gab bislang keinen Todesfall beim Menschen. In Summe konnten seit 2009 in Österreich 27 West-Nil-Virus-Infektionen nachgewiesen werden. Vier davon waren importiert (3 aus Serbien, 1 aus Bosnien-Herzegowina).

Der erste fatale Verlauf wurde laut Ages Österreich im Herbst 2016 bei einem Pferd in Niederösterreich dokumentiert.

Vorbeuge-Maßnahmen für Pferdehalter:

Stechmücken sind in der Morgen- und Abenddämmerung besonders aktiv. Daher gilt es besonders in der Dämmerung, die Tiere in den Stall zu führen
Fenster mit Mückennetzen abdichten, Stall-Türen in der Nacht und in der Dämmerung geschlossen halten
Gelsenmenge reduzieren: Stechmücken legen ihre Eier in jede Wasseransammlung ab. Um die Vermehrung zu vermeiden, sollten Regentonnen abgedeckt und Tränken täglich gereinigt werden
Waschplätze trocken halten: An den Waschplätzen der Tiere ist darauf zu achten, dass das Wasser in die Kanalisation abfließt
Impfstoffe für Pferde: es gibt mehrere zugelassen Impfstoffe. Pferde sind zwei Mal im Abstand von drei bis fünf bzw. vier bis sechs Monaten und danach jährlich zu impfen

Bei Hunden und Katzen ist der Verlauf der Infektion in der Regel symptomlos. Ein Impfstoff ist derzeit nur für Pferde erhältlich. Einen in der Prävention einsetzbaren Impfstoff für den Menschen gibt es nicht. Das Vermeiden von Moskitostichen ist das einzige Mittel zur Prophylaxe von WNV-Infektionen.
Ansteckung über Stechmücken

Zum Risikogebiet für das West-Nil-Virus gehört seit dieser Woche auch Verona. Damit sind neu acht Provinzen um die beliebte Touristen- und Einkaufsregion Adria betroffen. Die durch Stechmücken übertragenen Erreger können in einzelnen Fällen das Nervensystem befallen und zu Hirn- und Hirnhautentzündungen führen. Bei Bluttransfusionen durch infizierte Personen besteht laut eines Leitfadens des Gesundheitsministeriums ein Ansteckungsrisiko.

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Nicht nur im Tessin, auch im Rest der Schweiz mussten die Blutspendezentren wegen des Virus zahlreiche Touristen abweisen. Das bestätigt Rudolf Schwabe, Direktor von Blutspende SRK Schweiz, gegenüber "20 Minuten". "Die Zahl der Infizierten nimmt europaweit immer mehr zu", so Schwabe. Neben Italien sind auch beliebte Feriendestinationen wie Griechenland oder die Türkei betroffen.

Als Vorsichtsmaßnahme müsse man Touristen, die sich länger als 24 Stunden in den betroffenen Gebieten aufhielten, für vier Wochen von der Blutspende ausschließen. Ähnlich wird in Österreich verfahren: Wer sich in einem West-Nil-Virus-Risikogebiet aufgehalten hat, kann bis 30. November bei den Blutspendediensten in Wien, NÖ, Burgenland, Kärnten, Steiermark und Vorarlberg Blut spenden.

Wien ein Risikogebiet?

In Oberösterreich, sowie Salzburg und Tirol gilt, wie in der Schweiz, eine Rückstellung von 28 Tagen. Zusätzlich dürfen in den beiden letztgenannten Bundesländern Menschen, die mehr als zwei Nächte in Wien verbracht haben, ebenfalls erst nach der Rückstellungsfrist spenden.

Eine Entspannung der Gefahrenlage ist nicht in Sicht: "Aufgrund des Klimawandels erwarte ich, dass sich die Situation weiter zuspitzen wird", erklärt Schwabe weiter.

Schlecht informiert

Dass viele Spendewillige heimgeschickt werden müssen, deutet darauf hin, dass viele nicht über die Einschränkungen nach Reisen ins Ausland informiert sind. Außerdem ist etwa Italien nicht auf der offiziellen SRK-Liste der Länder mit erhöhtem viralem und parasitärem Infektionsrisiko zu finden – offenbar deshalb, weil nur in Teilen des Landes das West-Nil-Virus auftritt.

Laut Schwabe will man mit einem Warnhinweis keine Spender vergraulen: "Melden sich aufgrund offizieller Warnhinweise weniger, verlieren wir potentielle Blutspender." Er rät, sich im Vorfeld der Spende bei den lokalen Zentren zu informieren.

Es braucht 1.000 Blutspender am Tag

In der Urlaubszeit sind die Zentren denn auch auf jeden einzelnen Spender angewiesen: Die Schweiz brauche ungefähr 1.000 Blutspender, die jeden Tag ihr Blut abzugeben bereit sind: "Während der Sommermonate wird diese Zahl manchmal nur knapp erreicht", sagt Schwabe.



Die gefährlichsten Blutspender seien die Menschen, die infiziert sind – es aber nicht merken, so Schwabe. Oft zeigen sich nur grippeähnliche Symptome, eine Ansteckung könne auch symptomlos ablaufen und zwei bis drei Wochen nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet im Blut unerkannt bleiben. Werde der Erreger bei einer Bluttransfusion übertragen, könne dies unter Umständen zu lebensbedrohlichen Situationen für den Empfänger führen.

Was, wenn das Virus die Alpen überwindet?

Die Zahl der Infektionskrankheiten habe in Europa in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt Schwabe. "Da es überall wärmer wird, breiten sich die Mücken schneller aus". Die klimatischen Bedingungen in Südeuropa seien heute vergleichbar mit Westafrika früher. Er geht davon aus, dass künftig noch mehr Tests nötig werden. Man sei aber bereit: Blutspende Schweiz stelle sich darauf ein, Spenderblut auch auf das West-Nil- und das Chikungunya-Virus zu testen. Schwabe erklärt: "Diese zwei Viren sind bisher in den Sommermonaten im südlichen Teil Europas aufgetreten. Die Mücken können aber auch ohne weiteres in der Schweiz auftreten." Aufgrund der Kosten sehe man darum noch von flächendeckenden Tests ab.

Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit zählt das West-Nil-Virus zu den meldepflichtigen Krankheiten. Laboratorien und Krankenhäuser müssen einen Fall in eine Frist von sieben Tagen melden. "Sie sind meldepflichtig, damit die Behörden handeln könnten, falls eine dieser Krankheiten gehäuft auftreten würde. Zurzeit ist dies nicht der Fall", so BAG-Sprecher Daniel Dauwalder. (pea/red)

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