Experte: "Das war der heftigste Tornado in Österreich"

ZAMG-Experte Rainer Kaltenberger in der "Zeit im Bild 2"
ZAMG-Experte Rainer Kaltenberger in der "Zeit im Bild 2"Screenshot/ ORF
ZAMG-Experte Rainer Kaltenberger äußerte sich Freitagabend in der "Zeit im Bild 2" zum Tornado im Südosten Tschechiens.

Kräftige Unwetter mit großem Hagel, Starkregen und Sturmböen wüteten Donnerstagabend im Norden und Nordosten Österreichs. Eines dieser Gewitter hat knapp hinter der Grenze zu Tschechien dabei zu einem starken Tornado geführt. Rund um die Gegend Hodonin hat der Wirbelsturm eine Spur der Verwüstung hinterlassen, es gibt mehrere Todesopfer und zahlreiche Verletzte.

Besonders schwer hat es dabei die Ortschaften Hrusky und Moravska Nova Ves getroffen. Hier wurden Dächer von Häusern abgedeckt und Hausmauern teilweise völlig zerstört. Bäume und Strommasten wurden umgerissen und Autos in der Luft herumgeschleudert. Mit einer unvorstellbaren Zerstörungskraft hatte der Tornado dabei auch einen Bus regelrecht weggeweht, dabei wurde eine 15-Jährige schwer verletzt.

Tornado-Experte Rainer Kaltenberger von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik war am Freitag zu Gast in der "Zeit im Bild 2" und sprach mit Moderatorin Lou Lorenz-Dittlbacher über den Wirbelsturm in Tschechien. Laut Kaltenberger handelte es sich bei um einen F3-Tornado, der zwischen 250 und 330 km/h über das Land fegte. Experten vor Ort würden aber noch eine "umfassende Schadensanalyse" machen, dann könnte der Tornado sogar noch auf die Kategorie F4 hochgestuft werden.

Darum gibt es so viele Verletzte

Bei solchen Windgeschwindigkeiten würden laut dem Experten bereits Gegenständige zu Geschossen werden. "Das ist auch der Grund, warum es so viele Verletzte gibt", erklärt Kaltenberger in der ZIB2. Doch woher hat ein Tornado eigentlich seine enorme Kraft? Der Tornado-Fachmann erklärt: "Tornados dieser Stärke treten in Zusammenhang mit Superzellen auf, dabei handelt es sich um besonders heftige Gewitterzellen."

Es komme dann zu starken Aufwärtsbewegungen und zu einer Winddrehung und Windverstärkung mit der Höhe, "und dadurch beginnen diese Wolken dann sich um ihre eigene Achse zu drehen. Wenn die Bedingungen vor Ort stimmen, dann kann sich diese Drehbewegung auch in Form eines Tornados bis zum Boden hin ausbreiten. Und wenn dann auch Schäden am Boden auftreten, dann spricht man von einem Tornado", erklärt der Experte in der "Zeit im Bild 2".

"Tennisballgroße Hagelkörner"

Auf die Frage, ob Tornados auch vom Klimawandel ausgelöst werden könnten, antwortete Kaltenberger: "Wir haben in den vergangenen Tagen eine extreme Unwetterlage erlebt, die lange anhält. Die ersten Schäden haben wir bereits vor mehr als einer Woche in den Beneluxstaaten gesehen. Es war nicht nur der Tornado alleine außergewöhnlich, sondern auch die Tennisballgroßen Hagelkörner".

Und weiter: "Die Unwetterlage war in den letzten Tagen sicher einzigartig und durch den Klimawandel muss man damit rechnen, dass das Potenzial bei diesen Unwetterlagen für kräftige Gewitter zunimmt."

Grundsätzlich sei es allerdings so, dass sehr viele Faktoren und Bedingungen zusammenkommen müssten, damit sich aus den Superzellen Tornado bilden können. Laut Kaltenberger habe es am Donnerstag sehr viele Superzellen über Österreich gegeben, aus einer dieser Superzellen, die von Österreich nach Tschechien gezogen ist, habe sich dann schließlich dieser Tornado gebildet.

Tornados nicht zu "prognostizieren"

Tornados würden laut Kaltenberger sehr selten auftreten, "durchschnittlich zwei bis fünf Tornados im Jahr in Österreich". Aufgrund der Datengrundlage sei es allerdings schwierig, klimatologische Trends abzuleiten. Hier müsse man auch an der Datengrundlage arbeiten.

Aber sind Tornados überhaupt prognostizierbar? "Grundsätzlich können diese Zutaten für diese sehr heftigen Gewitter oder auch diese Superzellen können in Form von Wahrscheinlichkeiten vorhergesagt werden. Ob diese Gewitter, die sich dann bilden, auch einen Tornado hervorrufen, kann aus derzeitiger Sicht nicht prognostiziert werden", erklärt der Experte in der ZIB2 weiter.

"Tornados gibt es auch in Österreich"

Und Kaltenberger stellte im Gespräch mit Lou Lorenz-Dittlbacher klar, dass es eben nicht nur vor allem in den USA heftige Tornados geben würde, sondern eben auch in Europa. "Es ist nur vielleicht nicht so bekannt. Der Tornado-Hotspot in Europa ist die nördliche Adria, in Italien, etwa um Venedig oder auch Norditalien", so der ZAMG-Fachmann.

Allerdings würde es Tornados auch in Österreich geben! "Der heftigste Tornado war am 10. Juli 1916, der F4-Tornado in Wiener Neustadt mit 34 Toten und über 300 Verletzten", so Kaltenberger. Wenn auch selten, aber "diese Ereignisse gibt es auch in Österreich."

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