Wie klimaschädlich ist mein Essen?

Pflanzliche Produkte produzieren weniger Treibhausgase als etwa Fleisch oder Milchprodukte. Die klimafreundlichste Ernährungsform ist die vegane.
Pflanzliche Produkte produzieren weniger Treibhausgase als etwa Fleisch oder Milchprodukte. Die klimafreundlichste Ernährungsform ist die vegane.picturedesk.com
Was hat Ernährung mit Klimaschutz zu tun? Sehr viel. Einige Lebensmittel sind beispielsweise wegen ihrer Herstellung schlecht fürs Klima.

Unsere Ernährung verursacht einen erheblichen Anteil an Treibhausgasemissionen. Das sind Gase, die den sogenannten Treibhausgaseffekt verursachen, also einen Einfluss auf die Wärmerückstrahlung auf die Erde haben. Die wichtigsten Treibhausgase sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), und Lachgas (N2O).

Der Einfluss der Landwirtschaft auf die globale Klimakrise wird unterschätzt, dabei verursacht laut WWF unser Ernährungssystem bis zu 37 Prozent der weltweiten klimaschädlichen Treibhausgasemissionen.

"Die Ernährung ist eines der wichtigsten Werkzeuge, mit dem wir die Klima- und Artenvielfaltskrise in den Griff bekommen", sagt Martin Schlatzer, Ernährungsökologe von FiBL Österreich, dem Forschungsinstitut für Biologischen Landbau.

Bevor Lebensmittel im Supermarkt angeboten werden, fallen über Anbau, Ernte, Transport, Lagerung und Weiterverarbeitung klimaschädliche Treibhausgase an, allen voran Kohlendioxid (CO2). Addiert man bei einem Lebensmittel das ganze CO2, welches vom Acker bis zum Supermarkt anfällt, dann hat man - wenn man auch noch die weiteren Treibhausgase als CO2-Äquivalente dazu bilanziert - den sogenannten "CO2-Fußabdruck" oder den "CO2-Rucksack" des jeweiligen Produktes errechnet. Eine wichtige Kennzahl für Klimaschutz.

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CO2-Fußabdruck - Je kleiner, desto besser

Der CO2-Fußabdruck gibt an, wie viele Kohlendioxid-Emissionen direkt und indirekt durch eine Aktivität verursacht werden. Neben Kohlendioxid werden auch andere Treibhausgase bilanziert und in CO2-Äquivalenten berechnet. Zu den direkten Emissionen im Bereich der Ernährung gehört beispielsweise die Transportkette unserer Lebensmittel. Indirekte Emissionen sind etwa die Regenwaldabholzung Brasiliens in Umwandlung zu Ackerfläche.

Pflanzliche Produkte produzieren weniger Treibhausgase als etwa Fleisch oder Milchprodukte. Die klimafreundlichste Ernährungsform ist die vegane.

 Würden alle Österreicher von tierischen auf pflanzliche Lebensmittel umsteigen, könnten jährlich 395 Mio. Kilogramm CO2 eingespart werden.

Aber auch kleinere Schrauben in der Ernährung helfen, das Klima zu schützen. Wer zum Beispiel ein Jahr lang Margarine statt Butter verwendet, spart bereits 47 Kilogramm CO2 ein.

Österreicher sind richtige Fleischtiger

Am liebsten essen die Österreicher Fleisch und Milchprodukte. Das wirkt sich nicht nur schlecht auf die Gesundheit aus, sondern ist auch schwere Kost fürs Klima. Österreicher neigen zum Überkonsum und sind richtige Fleischtiger. In der EU belegen wir mit unserem Fleischverbrauch Platz 3 (hinter Luxemburg und Spanien), weltweit landen wir auf dem unrühmlichen Platz 15.

Jährlich kommen hierzulande laut Global 2000 durchschnittlich 65 kg Fleisch auf den Teller jedes Einzelnen. Das sind rund fünf Portionen pro Woche, obwohl aus gesundheitlichen Gründen drei Portionen Fleisch als Maximum empfohlen werden.

In Kombination mit einem wachsenden Zuckerkonsum, einem sitzenden Lebenswandel sowie anderen Faktoren zählen Übergewicht und Adipositas zunehmend zu den zentralen Gesundheitsproblemen in Österreich, sowohl bei Erwachsenen als auch insbesondere bei Kindern.

Der Überkonsum von Nahrungsmitteln führt aber auch zu einer gesteigerten landwirtschaftlichen Flächennachfrage und einer Übernutzung natürlicher Ressourcen.

Klimatarier werden - Klimatipps fürs Essen

 Faustregel: Mehr Gemüse & Obst auf den Speiseplan. Tierische Produkte in Maßen genießen.

Beim Fleischkonsum sollte darauf geachtet werden, dass das Fleisch aus nachhaltiger und biologischer Landwirtschaft sowie artgerechter Haltung der Tiere bezogen wird. Der eingeschränkte Konsum von Rindfleisch, Butter und Milchprodukten ist entscheidend für die Größe unseres CO2-Fußabdrucks. Tierprodukte durchlaufen in der Verarbeitung viel mehr Schritte als Pflanzenprodukte. Denn: Am Anfang steht immer das Tier, welches versorgt werden muss.

Wer also seinen Verbrauch von tierischen Nahrungsmitteln reduziert, tut aktiv etwas für den Klimaschutz. Sich klimafreundlich zu ernähren, bedeutet aber nicht, dass auf leckeres Essen verzichtet werden muss.

„Wenn wir gemäß der Österreichischen Gesellschaft für Ernährung um 2/3 weniger Fleisch essen, dann tut das nicht nur unserer Gesundheit gut, sondern bedeutet das auch einen großen Fortschritt für Klima und Umwelt“, erklärt Martin Schlatzer von FiBL Österreich.

Ein paar Beispiele...

250g Schweinsschnitzel 2 kg CO2-Äquivalente

250g Rindsschnitzel 6 kg CO2- Äquivalente

250g Garnelen (gefroren) 3 kg CO2-Äquivalente

250g Forelle 2 kg CO2-Äquivalente

1kg Nudeln 0,46 kg CO2-Äquivalente

1 Liter Milch 1,44 kg CO2-Äquivalente

250g Käse 1,46 kg CO2-Äquivalente

250 g Eier 0,5 kg CO2-Äquivalente

1kg Äpfel 0,25 kg CO2-Äquivalente

1kg Erdäpfel 0,40 kg CO2-Äquivalente

1kg Paradeiser 0,77 kg CO2- und Gewächshaus 2,92 kg CO2-Äquivalente

1kg Kürbis 0,21 kg CO2-Äquivalente

1 kg Bananen 0,57 kg CO2-Äquivalente

1kg Erdbeeren 0,32 kg CO2-Äquivalente

1kg Orangen 0,35 kg CO2-Äquivalente

1kg Ananas frisch 0,74 kg CO2- 1kg Ananas in der Dose 1,71 kg CO2-Äquivalente

Weitere Rechenbeispiele finden Sie hier

Quelle: Klimatarier.com und FiBL

Noch mehr Zahlen & Fakten

Ein österreichischer Durchschnittshaushalt verursacht 21,3 Tonnen an CO2-Äquivalenten pro Jahr; das entspricht 9,6 Tonnen an CO2-Äquivalenten pro Kopf (konsumbasiert gerechnet, also die Emissionen der Produktion werden dem Land zugerechnet, in dem das Produkt letztlich konsumiert wird).

Dabei fallen die Löwenanteile der CO2-Emissionen auf die Bereiche Wohnen und Energie (22%), Verkehr (20%) und Lebensmittel (16%). Ein wichtiger Anteil ist auch noch die Freizeit (11%).

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