Wie schlimm ist Brasilien-Virus in Österreich wirklich?

Die Probe wird derzeit genau überprüft (Symbolbild).
Die Probe wird derzeit genau überprüft (Symbolbild).iStock
In Salzburg ist der erste Verdachtsfall der brasilianischen Virusmutation in Österreich aufgetaucht. Was wir bislang darüber wissen.

Neben der britischen und südafrikanischen Variante könnte sich nun die nächste Mutation in Österreich ausbreiten. In Salzburg wurde ein erster Verdachtsfall der brasilianischen Variante gemeldet.

Die Probe wird derzeit genauer überprüft, ein Ergebnis soll in den nächsten Tagen feststehen. Wie Franz Wieser, Sprecher des Landes Salzburg, gegenüber der "Presse" bestätigte, sei bei einem routinemäßigen Screening bei einer Probe eine Variation aufgetaucht, die es in Salzburg noch nicht gegeben habe.

"Variation nicht eindeutig zuzuordnen"

"Allerdings ist die Variation nicht eindeutig der brasilianischen Variante zuzuordnen", betont der Sprecher. Sie weise zwar im Protein E484K eine Veränderung auf, wie es auch bei der brasilianischen Variante P.1. der Fall ist, es könnte sich aber auch um eine Variante handeln, die bereits in der Schweiz aufgetaucht sei, meint Wieser.

Die Probe wurde laut dem Bericht der "Presse" für eine Ganzgenomsequenzierung an die AGES gesandt. Ende dieser oder Anfang nächster Woche werde ein Ergebnis vorliegen.

Mann aus Salzburg schon wieder gesund

Der Verdacht sei bei einem Mann aus dem Bundesland Salzburg aufgetreten. Er habe laut Angaben von Wieser die Infektion "ganz normal" durchgemacht. Vor der Ansteckung war er offenbar nicht verreist. Die Behörden gehen davon aus, dass sich der Mann in Salzburg angesteckt habe.

Der Infizierte begab sich in Quarantäne und sei seit vergangener Woche wieder genesen und nicht mehr ansteckend. Er wurde mit negativem Test aus der Quarantäne entlassen. 

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Aus welchem Bezirk die Person stammt, wurde nicht angegeben. Die Kontaktpersonen aus den Vorwochen werden ebenfalls überprüft. Von ihnen gibt es eingefrorene Proben. Man wolle den Ursprung der Infektionskette finden, erklärte Wieser in der "Presse": "Wir gehen so weit wie möglich zurück."

Verstärkte Kontrolle bei Verdachtsfällen

Das Land Salzburg hat für das Auftreten gefährlicher Mutationen bereits verschärfte Maßnahmen vorbereitet. Verdachtsfälle werden beim Contact Tracing vorgereiht. Auch Kontaktpersonen der Kategorie K2 werden in einem solchen Fall abgesondert. Die Polizei kontrolliert die Quarantäne verstärkt. Bei der Ursprungsperson wird zudem auch bei der Entlassung aus der Quarantäne noch einmal ein PCR-Test durchgeführt.

Die Mutation ist erstmals im brasilianischen Manaus aufgetreten. Auch in Japan wurde die Variante mit der Bezeichnung "P.1." bereits nachgewiesen. Wie die britische und die südafrikanische Varianten ist auch die P.1-Variante "unabhängig entstanden, es scheint hier keinen Zusammenhang zu geben", erklärte der Mikrobiologe Andreas Bergthaler vom Forschungsinstitut für Molekulare Medizin (CeMM) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) gegenüber der APA.

Dreimal ansteckender

P.1. soll laut der brasilianischen Regierung dreimal ansteckender als die Ursprungsform sein. Experten vermuten, dass die Brasilien-Mutation womöglich so viele Veränderungen aufweist, dass sie vom Immungedächtnis schlechter erkannt wird und daher auch resistenter gegen Antikörper sein könnte, wie "Science News" berichtet. Das heißt, dass Personen sich nach einer überstandenen Corona-Erkrankung erneut mit dem Virus infizieren können. 

Die Lage in Brasilien ist besorgniserregend. Das Gesundheitssystem steht kurz vor dem Zusammenbruch. Mehr als 1.900 Menschen sind in Manaus allein in den ersten drei Wochen des Jahres 2021 gestorben.

Mutationen haben den Schlüssel

In den Bauplänen der neuen Varianten aus Brasilien, England und Südafrika betreffen die Mutationen die sogenannten Spike-Proteine. Diese funktionieren wie Schlüssel: Trifft das Virus auf eine menschliche Zelle, muss es zuerst den Eingang finden, das Schlüsselloch sozusagen. Bei der ursprünglichen Form des SARS-CoV-2 dauert dies relativ lange und gelingt nicht immer. Durch die Mutationen enthalten die Zapfen der Spike-Proteine allerdings andere Aminosäuren, was die Eigenschaften des Virus verändert. Es hat sozusagen den Schlüssel gefunden, mit dem es schneller andocken und die Zelle infizieren kann - und ist dadurch infektiöser.

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