Ab 4. Juni läuft mit "Babystar" ein Film in den österreichischen Kinos, der einen kritischen Blick auf die Welt der Family-Influencenden wirft. Im Mittelpunkt steht die 16-jährige Luca, die seit ihrer Geburt Teil eines millionenschweren Social-Media-Familienunternehmens ist. Als ihre Eltern ein weiteres Kind planen, gerät die perfekte Online-Welt ins Wanken.
Regisseur Joscha Bongard (31) wollte dabei keine einfache Abrechnung mit sozialen Medien drehen. "Ich hab eine total ambivalente Einstellung zu sozialen Netzwerken", sagt er im Gespräch mit "Heute". Einerseits hätten sie marginalisierten Gruppen geholfen, sich zu vernetzen. Andererseits beobachte er seit Jahren eine problematische Entwicklung: "Soziale Medien sind nicht nur in großen politischen Fragen ein Schlachtfeld geworden, auch Gesellschaften spalten sich dadurch immer mehr."
Besonders kritisch sieht er die Logik der Influencer-Welt. "Bei Influencenden ist es ja so, dass alles, was einem passiert, Content sein könnte und man muss ständig auf der Hut sein", erklärt der Regisseur. Darin liege ein enormer Leistungsdruck: "Das Schizophrene an Influencenden ist ja eigentlich, dass sie sich privat häufig zurückziehen und dann aber alles, was ihnen privat passiert, mit der Öffentlichkeit teilen."
Genau diesen Widerspruch greift "Babystar" auf. Der Film zeigt, wie die Grenzen zwischen Familie, Privatleben und Geschäftsmodell verschwimmen können. Für den Regisseur steht dabei eine zentrale Frage im Raum: "Man sollte sich genauer überlegen, ob man alles kapitalisieren muss." Für Diskussionen sorgt im Film vor allem, dass die Influencer-Mutter selbst die Geburten ihrer Kinder online stellt. Es stellt sich damit die Frage, wie weit Menschen für Klicks und Likes gehen – und wo die Grenze zwischen Aufklärung und Geschäftemacherei verläuft.
Trotz seiner Kritik nimmt er Influencer aber auch in Schutz. "Offensichtlich gibt es dafür einen Markt, den wir kreieren, indem wir ihnen zuschauen", sagt er. Die Verantwortung liege daher nicht nur bei den Content-Produzenten, sondern auch bei den Millionen Menschen vor den Bildschirmen.
Seine Botschaft ist klar: Menschen sollten nicht nach Likes, Klicks und Reichweite bewertet werden. "Menschen nicht nach der Aufmerksamkeit, die sie bekommen, bewerten, sondern nach menschlichen Attributen", fordert der Regisseur.