Vonn hat das ganz große Ziel, bei Olympia in Cortina an den Start zu gehen. Doch ein schwerer Sturz in der Abfahrt von Crans-Montana am vergangenen Freitag hat schwere Folgen für die US-Amerikanerin. Vonn riss sich dabei das vordere Kreuzband im linken Knie – das Knie, das nicht bereits eine Titanprothese hat. Trotzdem will die Star-Läuferin zumindest in der Abfahrt am Sonntag an den Start gehen, wie sie nun verriet.
Lindsey Vonn und Stürze – das ist eine lange Geschichte, die 2006 bei den Olympischen Spielen in Turin begann. Sie stürzte beim Training auf der Piste von San Sicario schwer, musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus nach Turin geflogen werden. Vonn kam aber mit heftigen Prellungen davon.
2009 wurde es dann dramatisch. Vonn führte in der WM-Super-Kombination, wurde nach einem Torfehler im Slalom aber disqualifiziert. Bei der Siegerehrung der Abfahrt schnitt sie sich bei einer zersprungenen Champagnerflasche die Beugesehne am Daumen durch, musste genäht werden. Bei Olympia 2010 schied Vonn im Riesentorlauf mit einem Sturz aus und brach sich einen Finger, im Slalomtraining hatte sie in der Woche vor Olympia eine Schienbeinprellung erlitten.
Die WM 2013 begann für Vonn mit einem Fiasko. Schon im Auftaktrennen, dem Super-G, stürzte die US-Amerikanerin schwer und erlitt einen Kreuzbandriss und einen Innenbandriss im rechten Knie. Die Saison, und freilich auch die WM, waren gelaufen. Auf dem Weg zurück stürzte Vonn am 19. November beim Training in Copper Mountain schwer und erlitt am erst operierten rechten Knie einen Teilabriss des Kreuzbandes. Wenig später erklärte sie, das anfangs nur eingerissene Kreuzband sei nun komplett gerissen, sie wurde im Jänner 2014 erneut operiert, musste auf Olympia 2014 in Sotschi verzichten.
Im Herbst 2015 erlitt sie einen Knöchelbruch und musste wochenlang pausieren, im Frühjahr 2016 stürzte sie in Soldeu und erlitt einen Bruch des Schienbeinkopfes. Später ergaben genauere Untersuchungen dann, dass die US-Amerikanerin drei Frakturen am linken Schienbeinkopf erlitten hatte. In der Saisonvorbereitung 2016 folgte ein Oberarmbruch und eine Beschädigung des Nervenfeldes im rechten Arm, erlitten bei einem Trainingssturz in Copper Mountain.
Den ersten Rücktritt gab es dann 2019, direkt nach der Weltmeisterschaft 2019 in Aare. Kurz davor hatte sich Vonn bei einem Sprung in Cortina eine Verletzung des Peroneus-Nervs zugezogen, die Schmerzen im Knie und in der Wade verstärkte. Sie schied im Super-G drei Tage später aus und überlegte lautstark den sofortigen Rücktritt, startete aber doch noch bei der WM in Schweden, wo Vonn im Super-G stürzte, aber unverletzt blieb, dann in der Abfahrt noch Bronze holte.
2024 kehrte Vonn völlig überraschend und mit einer Knieprothese in den Ski-Weltcup zurück, mit dem großen Ziel vor Augen, auf ihrer Lieblingsstrecke in Cortina um Olympia-Gold zu fahren. Dieses Ziel ist nun äußerst gefährdet.