Wien-Attentäter hatte sein Gewehr vom Praterstern

Beim Prozess gegen sechs mutmaßliche Betragstäter packte nun ein Lieferant aus: Er bekam die Tatwaffen in einer Tasche am Praterstern.

Bis Februar wird sich das Verfahren gegen sechs mutmaßliche Unterstützer des Attentäters von Wien noch ziehen, schon jetzt förderte der Prozess aber interessante Details zutage. Am Donnerstag ging es darum, wie der islamistisch motivierte Terrorist an die Tatwaffe gekommen war, mit der vier Passanten getötet und 23 Menschen verletzt wurden.

Dazu wurde zunächst ein 32-jähriger Tschetschene einvernommen, der bereits seit fast zwei Jahren in U-Haft sitzt. Er gestand, dem späteren Attentäter ein Sturmgewehr beschafft zu haben. "Er hat gesagt, er braucht eine Kalaschnikow" – diese Anfrage habe er an einen Slowenen weitergegeben, der die bestellte Ware aus dem Osten nach Wien brachte und sie dem Mittelsmann am 23. Juni 2020 am Wiener Praterstern überreichte.

Sturmgewehr in Tasche übergeben

In der Tasche befand sich ihm Zufolge ein Sturmgewehr der Marke Zastava – ein AK-Nachbau. Der 32-Jähriger brachte die Waffe umgehend zum späteren Attentäter und erhielt dafür 3.000 Euro, von denen er 500 als Prämie einbehielt. In weiterer Folge kam es noch zu einem zweiten Treffen mit dem Waffenhändler: Diesmal wurden Munition für die Kalaschnikow und eine kleine Pistole der Marke Tokarew übergeben und dem IS-Terroristen weitervermittelt.

Er habe sich keine Gedanken darüber gemacht, wofür der Empfänger der Schusswaffen diese benötigte, versicherte der Fünftangeklagte: "Ich wusste nicht, wer das ist und was der macht." Er habe den späteren Attentäter kaum gekannt, abgesehen von den Waffen-Übergaben hätten "vier, fünf Treffen" stattgefunden. "Viele Muslime" würden so aussehen, wie der Attentäter ausgesehen habe: "Lange Haare, Bart. Für mich hat er ganz normal ausgeschaut."

Half Tschetschene dem Attentäter direkt vor dem Anschlag?

DNA-Spuren des Tschetschenen, die sich auf fünf Patronen aus dem Sturmgewehr befanden, ließen die Staatsanwaltschaft vermuten, er habe dem Attentäter kurz vor der Tat beim Aufmunitionieren geholfen. Dies werde auch durch Handydaten gestützt – der Angeklagte wies allerdings zurück, dass er in den Stunden vor der Bluttat beim IS-Terroristen gewesen sei, und sprach von Fehlern der Polizei. Der 32-Jährige betonte abschließend, er habe mit der radikal-islamistischen Terror-Miliz "Islamischer Staat" (IS) nichts am Hut: "Ich habe keine Sympathie, nichts." Er habe, was dieses Gedankengut betrifft, auch "keine Bücher gelesen".

Den sechs Angeklagten wird im Wesentlichen die Beteiligung an terroristischen Straftaten in Verbindung mit Mord, terroristische Vereinigung und kriminelle Organisation zur Last gelegt. Der Prozess ist bis Februar 2023 anberaumt. Nächster Verhandlungstermin ist der kommende Dienstag.

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