Wien steckt über eine Milliarde in die Pflegeversorgung

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat mit Experten ein Strategiepapier zur Absicherung der Pflege vorgestellt.
Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat mit Experten ein Strategiepapier zur Absicherung der Pflege vorgestellt.Denise Auer
Die Stadt pumpt in den nächsten Jahren 1,1 Milliarden Euro in Ausbildungen und Jobs, um die Versorgung abzusichern und eine Pflegekrise abzuwenden.

Unter dem Namen "Pflege Zukunft Wien" hat heute der Strategiedialog zur Sicherung des Pflegeangebots mit Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) stattgefunden. Mit am Tisch saßen Experten aus Pflege, Gesundheit, Bildung, Arbeitsmarkt, Stadtverwaltung und der Sozialwirtschaft. "In den kommenden 25 Jahren investieren wir mehr als 1,1 Milliarden Euro in die Ausbildung", präsentierte Hacker anschließend die Ergebnisse und ergänzte: "Die Finanzierung der Pflege muss aber von allen angegangen werden. Da erwarte ich von der Bundesregierung deutlich mehr Engagement, als sie bisher an den Tag gelegt hat.“

9.000 Pflegekräfte durch mehr Ausbildungsplätze

Gemeinsam mit Experten und Expertinnen wurden im Strategiepapier fünf Schwerpunkte definiert: Aus-, Fort- und Weiterbildung, Arbeitsmarkt und Personalmanagement, Innovation, Digitalisierung sowie Finanzierung. Sandra Frauenberger vom Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen erklärte dazu: "Die Schwerpunkte werden dazu führen, dass es zu keiner Pflegekrise kommt und der Bedarf in Wien auch in der Zukunft gedeckt ist.“ Bis 2030 werden 9.000 zusätzliche Pflegekräfte gebraucht, die man durch eine Ausbildungsoffensive absichern will. Dafür haben sich der FH Campus Wien, der Fonds Soziales Wien und der Wiener Gesundheitsverbund zusammengeschlossen und Ausbildungsplätze aufgestockt.

Geleitet wird "Pflege Zukunft Wien" vom Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen, deren Geschäftsführerin Sandra Frauenberger ist.
Geleitet wird "Pflege Zukunft Wien" vom Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen, deren Geschäftsführerin Sandra Frauenberger ist.Denise Auer

An der FH werden im Vollausbau zusätzlich 810 Studienplätze für die Gesundheits- und Krankenpflege geschaffen. Für das laufende Semester hat man bereits um 120 Plätze aufgestockt, langfristiges Ziel ist es, dass ab 2024 jährlich rund 2.200 Studierende ausgebildet werden. Im Ausbildungszentrum AWZ Soziales Wien werden insgesamt weitere 750 Ausbildungsplätze im Bereich Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz geschaffen. 270 zusätzliche Plätze stehen schon jetzt zur Verfügung.

Um- und Weiterbildungen für Arbeitssuchende

Auch mit dem AMS Wien will man aktiv neue Fachkräfte für Pflege- und Gesundheitsberufe gewinnen. Beim Programm "Job PLUS Ausbildung“ gibt es eine fixe Einstellzusage beim Programmeinstieg und ein monatliches Ausbildungsgeld von 400 Euro zusätzlich zum Arbeitslosengeld, wenn die Ausbildung mindestens 12 Monate dauert. Zusätzlich mit einem Ausbau des Fachkräftestipendiums sollen über 1.000 Auszubildende im Pflegebereich gefördert und die Kosten für Lebensunterhalt und der Ausbildung übernommen werden.

Forderung nach Pflegegarantiefonds

Die Finanzierung der Pflege will man auf neue Beine stellen: Bund, Sozialversicherung und Länder sollen einen Pflegegarantiefonds schaffen, in dem die derzeitigen Finanzierungsströme gebündelt werden und alle Leistungen abdeckt. Pflege- und Betreuungsleistungen sollen nur aus der Pflegefinanzierung gedeckt werden – so wie in der Gesundheitsversorgung und nicht mehr aus der Sozialhilfe. Gefordert wird eine Abkehr vom Zuschussprinzip zur qualitätsvollen Sachleistungsfinanzierung, eine Weiterentwicklung beim Pflegegeld sowie eine neue Definition von Pflegebedarf und Pflegebedürftigkeit.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account red Time| Akt:
WienPflegeGesundheitWiener GesundheitsverbundAMS

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen