Wien

Wienerin (12) bekam zwei Corona-Impfungen an einem Tag

Die 12-Jährige wurde irrtümlich fast oder "ein bisschen" mit Johnson&Johnson geimpft. Als die Ärztin den Fehler bemerkte, impfte sie Biontech nach.

Louis Kraft
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    In der Impfbox am Rathausplatz bekam Elena (12, Kreis Mitte) fast oder teilweise einen falschen Impfstoff geimpft. Die Eltern üben nun Kritik.
    In der Impfbox am Rathausplatz bekam Elena (12, Kreis Mitte) fast oder teilweise einen falschen Impfstoff geimpft. Die Eltern üben nun Kritik.
    Lesereporter

    Nach dieser Geschichte werden wohl viele genauer hinschauen: Am Montag besuchte Michaela T (45) mit ihrer Tochter Elena (12, beide Namen von der Redaktion geändert) die Impfbox beim Filmfestival am Wiener Rathausplatz (City). Damit wolltem Elena's Eltern ihr angesichts der verschärften Testpflicht in Wien – wir haben berichtet – einen möglichst entspannten Sommer ermöglichen. Doch aus der ersehnten "Befreiung von Corona" wurde für die beiden eine echte Zitterpartie. 

    "Ärztin hat sich plötzlich entschuldigt, ich war geschockt"

    Denn laut Michaela T. soll eine Ärztin der kleinen Elena den Impfstoff von Johnson&Johnson verabreicht haben. Und das obwohl dieser erst ab 18 Jahren zugelassen ist. "Mein Mann hat vorher noch gefragt, ob Elena Biontech/Pfizer bekommt. Das wurde bejaht", erinnert sich Michaela. Dennoch griff die Medizinerin versehentlich zum Impfstoff von Johnson&Johnson.

    "Sie hat sich plötzlich entschuldigt, gesagt, es tue ihr wahnsinnig leid. Dann habe die Ärztin gesagt, sie habe Elena ohnehin nur eine kleine Dosis verabreicht. "Ich weiß nicht mehr, ob es ein Milliliter oder ein Millimeter war, ich war geschockt", so Mama Michaela. Die Ärztin zog Elena die Nadel aus dem Arm und impfte dem Mädchen mit einer zweiten Spritze in den anderen Oberarm das richtige Vakzin von Biontech/Pfizer. 

    "Fehler rechtzeitig bemerkt, kein Impfstoff injiziert"

    Bei den Johannitern, die für die Impfboxen am Rathausplatz das Impfteam stellen und zu denen auch Elena's Ärztin zählt, wird der Vorfall etwas anders erzählt. So habe die Ärztin den Fehler bemerkt, als die Spritze schon im Arm steckte, aber noch bevor tatsächlich Impfstoff verabreicht wurde. "Es wurde kein Impfstoff injiziert", wird gegenüber"Heute" versichert. 

    Die Johanniter bedauern den Vorfall und verspricht Verbesserungen, in einer Stellungnahme an "Heute" heißt es: "Grundsätzlich werden die Vakzine ebenso wie die vorbereiten Spritzen – den Schulungen und internen Richtlinien entsprechend – in unterschiedlichen Behältern aufbewahrt und entsprechend (erkennbar) gekennzeichnet an den Arzt/die Ärztin übergeben, die eigenverantwortlich vor Ort arbeitet. Die Ärztin hat den Irrtum auch rechtzeitig erkannt und anschließend den richtigen Impfstoff verimpft. Selbstverständlich werden wir die Abläufe nochmals auf Verbesserungen hin prüfen".

    Doppel-Impfung "purer Schwachsinn"

    Zum Glück scheint im Fall der 12-Jährigen noch einmal alles gut gegangen zu sein. Die Möglichkeit, dass ungewollte Kreuzimpfungen aber tatsächlich passieren könnten, beunruhigt. Denn was im Körper der 12-Jährigen geschehen wäre, ist völlig unbekannt. "Wir wissen es nicht", erklärt Universitätsprofessor Dr. Herwig Kollaritsch, Immunologe der MedUni Wien und Mitglied des Nationalen Impfgremiums auf Anfrage von "Heute". Das bestätigt auch der Leiter der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie Dr. Markus Zeitlinger. Er hält "sich aufschaukelnde Impfreaktionen" für möglich.

    Johnson&Johnson wohl auch bei Kindern wirksam

    So oder so sei ein "Nachimpfen" bei Kindern "purer Schwachsinn", wie Kollaritsch betont. So zu handeln sei völlig "sinnbefreit", da der Impfstoff von Johnson&Johnson mit hoher Wahrscheinlichkeit auch bei Jüngeren eine gute Wirkung erziele. Es gebe derzeit nur keine Zulassung für unter 18-Jährige, aus Kollaritsch' Sicht aber nur "eine Frage der Zeit". Die Impfung mit Johnson&Johnson wäre also in Ordnung gewesen, wenn "die Ärztin auf den Off-Label Use (also außerhalb der aktuellen Empfehlungen, Anm.) hingewiesen und gegenüber den Eltern die Verwendung erklärt hätte", so Kollaritsch.

    Das sieht auch Impfexperte Zeitlinger so: "Natürlich können Fehler passieren. Wenn ein Kind irrtümlich mit Johnson&Johnson geimpft wird, wird aber wahrscheinlich nichts schlimmes geschehen".

    Sollte es aber dennoch einmal zu einem Fall kommen, hat Zeitlinger folgenden Rat parat: "Die Ruhe bewahren und etwaige Impfreaktionen gut beobachten und das Kind auch aktiv fragen". Wenn tatsächlich etwas passiere, sei der praktische Arzt der erste Ansprechpartner. Beim Auftreten allergischer Reaktionen heißt es: so rasch wie möglich Hilfe suchen, auch im Spital.

    Elena's Mama kritisiert schlechte Organisation vor Ort

    Klagen wegen dem Impffehler wollen Elena's Eltern nicht, ihr Kritik richtet sich hauptsächlich gegen die Organisation der Impfboxen. "Die Ärztin hat einen Fehler gemacht, das kann jedem passieren. Es ist nicht einmal das Problem, dass wir stundenlang auf eine Impfung gewartet haben, weil man damit ohne Termin rechnen muss, es ist die schlechte Organisation", so Michaela T.

    Als ihre Tochter nach zwei Stichen aus der Impfbox kam, habe sie bitterlich geweint. Zudem sei niemand vor Ort gewesen, der sich um Elena gekümmert habe, kritisiert ihre Mama. Auch gebe es trotz des Andrangs und der Rangeleien keine Security vor Ort, bemängelt Michaela T. 

    Die Stadt kontert, dass die Impfboxen am Rathausplatz aufgrund des großen Interesses eine besondere organisatorische Herausforderung seien. Sie seien aber nur ein Zusatzangebot und nicht die einzige Impf-Station in Wien.