Die große Aufmerksamkeit verdankt der österreichische Pavillon auf der Biennale in Venedig vor allem der Künstlerin, die ihn heuer bespielt: Florentina Holzinger läutete die Saison kopfüber nackt in einer Glocke, fuhr ebenso textilfrei Jetski und tauchte in einem Urin-Tank.
Nun verspricht die Performance-Künstlerin erneut eine unvergessliche und grenzwertige Erfahrung: Im Rahmen der Wiener Festwochen wird sie am 23. Mai für die "Republic of Gods" und die Nitsch Foundation ein "Pfingstspiel" im Sinne des verstorbenen Kunst-Superstars Hermann Nitsch inszenieren. "Es ist mir wichtig, Kunst für denkende Menschen zu machen, zum Denken und zur Diskussion anzuregen. Wenn das als provokativ gedeutet wird – damit lebe ich gerne", sagt sie im "Heute"-Gespräch.
In der Beschreibung der neunstündigen Performance, die im Wiener Eislaufverein beginnt und weiter nach Prinzendorf (NÖ) zieht, wo Nitsch schon mit seinen Jüngern in Blut badete, ist von "selbstverletzenden Handlungen" die Rede. "Das bedeutet, dass auch echtes Blut eine Rolle spielen wird. Wir bewegen uns damit natürlich auch sehr in der Tradition des Wiener Aktionismus, aber auch in unserer eigenen Werkgeschichte". Es geht um "Blut als Material, als Lebenssaft, rot als Pfingstfarbe, aber auch um das Blut, das wir monatlich zwischen den Beinen haben", so Holzinger weiter.
In ihrer Performance werde "viel" von Nitsch stecken, macht die Wienerin neugierig, etwa die Beschäftigung mit Symbolik und christlicher Ikonografie. "Und auch bei uns bricht die technische Zivilisation über das Spielgeschehen ein, um den tiefgreifenden Wandel, bei dem moderne Technologien, Algorithmen und Künstliche Intelligenz das traditionelle, menschliche Erlebnis zunehmend durchdringen, verändern und automatisieren, zu thematisieren."
Ihr Körper ist in ihrer Kunst "der Container, in dem ich jetzt 40 Jahre verbringe. Was das für eine Bedeutung und Konsequenzen hat, damit beschäftige ich mich viel, die Arbeit ist ja zuweilen auch stark biographisch." Dasselbe gilt auch fürs "Aufmischen von Geschlechter-Zuschreibungen, die großteils kulturell konstruiert sind."