"Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung" stellte die neue Josefstadt-Direktorin Marie Rötzer am 21. Mai ihre erste Spielzeit und sich selbst vor. Die 58-Jährige übernimmt die Geschicke des Traditionstheaters von Herbert Föttinger, der nach 20 Jahren als Intendant Ende Juni aufhört und nach Ägypten auswandert.
"Das ist ein historischer Moment: In der über 230-jährigen Geschichte der Josefstadt übernimmt erstmals dauerhaft eine Frau die Leitung", erklärte Kulturminister und Vizekanzler Andreas Babler bei der Pressekonferenz.
Rötzer, die zuletzt zehn Jahre lang das Landestheater Niederösterreich leitete, hat sich für ihre neue Spielstätte viel vorgenommen: Acht Premieren werden nun in der Josefstadt gefeiert, Arthur Schnitzlers "Komödie der Verführung" macht am 3. September den Anfang. Die Kammerspiele will die neue Intendantin "als Broadway-Theater" in den Köpfen des Publikums verankern, "lustvoll, aber mit Haltung". Hier werden in ihrer ersten Spielzeit sieben Premieren stattfinden, Peter Turrinis "Der tollste Tag" macht am 5. September den Anfang.
"Wir haben sehr darauf geachtet, dass wir mehr Frauen engagieren", betont Rötzer bei ihrer Antrittsrede. Mit 36 fest engagierten Schauspielern sind es insgesamt jedoch weniger als zuvor. 27 Mitarbeiter sind noch aus der Ära Föttinger geblieben, neun neue Angestellte kommen dazu. "Das Ensemble lebt", erklärt sie auch ihr künftig vermehrtes Engagement von Gaststars.
So wird Verena Altenberger an der Josefstadt in der österreichischen Erstaufführung von Suzie Millers MeToo-Stück "Inter alia" (ab 17. Dezember) die Hauptrolle spielen. Juergen Maurer, Robert Meyer und der Wienerlied-Sänger Der Nino aus Wien werden für Nestroys "Das Mädl aus der Vorstadt oder Ehrlich währt am längsten" (ab 12. November) ins Haus geholt.
Ruth Brauer-Kvam kehrt als Dramaturgin zurück ans Haus: Sie inszeniert die Uraufführung von "Guten Abend, Herr Morgan!" ab 3. Dezember in den Kammerspielen. Ebendort wird auch wieder ein Stück von Yasmina Reza gezeigt: "Glücklich die Glücklichen" (ab 21. Jänner 2027). Rötzer möchte "Theater für alle" und "eine gleichberechtigte und gute Atmosphäre" schaffen. "Theater hilft gegen das Altern und die Einsamkeit", weiß sie.