Wienerin überfuhr Ehemann: "Sie nennen mich Mörderin"

Marion L. (57) überfuhr ihren Ehemann: "Mörderin sagt man zu mir".
Marion L. (57) überfuhr ihren Ehemann: "Mörderin sagt man zu mir".Lenger, privat
Marion L. hatte 2019 ihren Gatten unabsichtlich überfahren, wartet seit 2 Jahren auf den Prozess: „Auf der Straße nennt man mich eine Mörderin“.

„Ich wünschte ich könnte eine Zeitreise und somit alles ungeschehen machen – so wie bei „Zurück in die Zukunft“, sagt Marion L. aus Wien-Ottakring und bricht dabei in Tränen aus.

Privates Glück

Im Juni 2018 hatte sie ihre späte Liebe, einen Polizisten, geheiratet, verbrachte jede freie Minute mit ihm in einem Holzhaus auf einem Campingplatz bei Pernitz (Wr. Neustadt-Land), das Leben der Kellnerin war nahezu perfekt. "Wir hatten dort eine Parzelle mit Holzhaus, es war herrlich."

Das Unglück

Nur 14 Monate später war Marion L.s Welt ein Scherbenhaufen. Ausgerechnet zu ihrem Geburtstag im August 2019 hatte das Paar Streit. „Ich sprang bei Dunkelheit in den Wagen, fuhr weg, dabei dachte ich, dass ich über eine Bodenbegrenzung gedonnert bin. Ich rauchte zwei Zigaretten, fuhr rund 15 Minuten später zurück, in der Hoffnung, mein Liebster hätte sich beruhigt. Als ich ihn am Boden liegen sah, brach ich zusammen.“ Was die Wienerin gesteht: „Ja, ich hatte 0,8 Promille, hätte natürlich nicht fahren sollen.“

Psychiatrie

Zehn Wochen war sie dann in der Psychiatrie - mehr dazu lesen Sie hier. „Jeder wandte sich von mir ab. Sogar meine Schwester. Einzig mein Sohn hielt zu mir“, erzählt die 57-Jährige. „Überall wurde getuschelt. In einer Zeitung stand sogar, dass ich beim Lokalaugenschein so bitter geweint hätte. Dabei war ich gar nicht dort“, so Marion L.

In der Folge nahmen die Anfeindungen zu: „Menschen, die mir früher nahe standen, senkten die Köpfe, wenn sie mich trafen. Im Supermarkt wurde ich Mörderin genannt.“

Mordanklage

Quälend lange zogen sich die Ermittlungen. Dann der nächste Hammer: Die Anklage wurde von fahrlässiger Tötung auf Mord ausgeweitet - mehr dazu hier.

Jetzt fast zwei Jahre nach dem tragischen Vorfall kommt es nächste Woche zum Prozess am Landesgericht Wiener Neustadt. Anwalt Mathias Burger sagt dazu: „Ich bin überzeugt, dass dabei herauskommt, dass es ein Unfall war. Meine Mandantin ist extrem belastet, konnte wegen der Belastung der Strafverfolgung nicht mal richtig trauern." Der Advokat weiter: "Die Staatsanwaltschaft hat gut ermittelt, hätte Anklage wegen fahrlässiger Tötung eingereicht, doch am OLG wurde auf Mordanklage ausgeweitet."

Dem stimmt die Kellnerin zu: „Ohne Hund Minou ginge ich gar nicht mehr vor die Tür“. Im Falle einer Verurteilung wegen Mordes droht Marion L. eine lebenslange Freiheitsstrafe, es gilt die Unschuldsvermutung.

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