"Wiens Schulen sind gesetzeswidrig überbelegt"

Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.
Jeden Montag gibt Schuldirektor Niki Glattauer in "Heute" Noten.Sabine Hertel
Glattauer gibt Noten. Heute: Im Herbst muss wirklich alles anders werden! Neue Laptops für Schüler. Und: Tests und Prüfungen in Schulen.

Im Herbst muss wirklich alles anders werden!

Der Sargnagel-Cartoon im aktuellen "Falter" hat es in sich: Ein kleiner Tod mit sehnsuchtsvollem Blick und einem Taferl: "Ich will in die Schule." So sehen es derzeit viele. In zig Mails an mich beklagen Lehrerinnen und Eltern, dass (Zitat) "ab 17. Mai also wieder 30 Kinder zusammengepfercht in viel zu kleinen Räumen sitzen werden, mit unverlässlichen Schnelltests und Professoren, die aus Angst vor AstraZeneca zur Hälfte nicht geimpft sind". Gewerkschafter sprechen sogar von "geplanter Durchseuchung". Tja.

Vier Monate sind es noch bis zum Start des Schuljahres 21/22, dann gilt keine Ausrede mehr. Bis dahin MUSS Österreichs pädagogisches Personal komplett durchgeimpft sein. Außerdem: Impf-Start für Schüler ab zwölf, für die Kleinen Gurgel- bzw. PCR-Lutscher-Tests. Und es braucht Ausweichräume. Wiens Schulen sind en gros heillos und gesetzeswidrig (!) überbelegt. Jede, in der ich gearbeitet habe, war das – mit Unterricht sogar im Arztkammerl …

Note: Prüfung im Herbst

Glattauer gibt Noten
Niki Glattauer war 25 Jahre Lehrer und Schuldirektor in Wien. Er hat bisher 13 Bücher veröffentlicht, alle zum Thema Schule wurden Bestseller. Jeden Montag vergibt er in einer Kolumne für "Heute" Schulnoten.

Alle seine Artikel findest Du hier.

Neue Laptops – aber sonst alles beim Alten

Wie ich höre, wird in den nächsten Tagen entschieden, mit welchen Laptops & Tablets unsere Schüler im Herbst ausgestattet werden. Leider betrifft das weder alle Schulstufen (die "digitale Revolution" des Bildungsministers beschränkt sich auf die 5. und zum Start ausnahmsweise auch die 6., also nur 150.000 Kinder), noch ist die Aktion gratis (ein Viertel des Preises zahlen die Eltern). Und sie ist mau flankiert: Immer noch wartet die Hälfte unserer Schulen auf Breitband und schnelles WLAN, immer noch mangelt es an Schulungen für die Lehrer.

Wo sind die IT-Teams, die die Schulen in (!) den Schulen digitalisieren, und zwar abgestimmt auf die konkreten Bedürfnisse je nach Schultyp, Lage, Größe, Klientel? 45 Prozent unserer Lehrerinnen sind 50+, und die meisten nicht gerade das, was man "digital fit" nennt. Anders ausgedrückt: Wie ernst nimmt ein 12-Jähriger eine Lehrerin, die fragt, "auf welcher Taste unsere Computer MS-Teams haben"?

Note: Nicht so gut

Testen, testen, testen – prüfen, prüfen, prüfen

Für mich völlig unverständlich haben jetzt in den Volksschulen doch tatsächlich die Kompetenz-Messungen (IKM) in Mathe und Lesen begonnen. Auf der Homepage des Bildungsministeriums heißt es dazu: "Das Testfenster wurde aufgrund der aktuellen COVID19-Situation …", nein, leider eben nicht geschlossen, sondern "um eine Woche verlängert". Testen, testen, testen, prüfen, prüfen, prüfen, und zwar "Stoff" – so sieht jetzt in vielen Schulen das Finale aus.

Ich halte es da eher mit dem Bildungsforscher Stefan Hopmann, der (im "Kurier") sagte: "Es gibt ja viele, die meinen, man könne so tun, als ob die Schüler das Gleiche leisten und können müssen wie ohne Pandemie. Dann hagelt es schlechte Noten. Was da an Lernselbstvertrauen und Lernfähigkeit zerstört wird, ist langfristig viel schlimmer als das Virus."

Note: Unbefriedigend
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