Die Geschichte vom schönen Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt, ist längst mehr als ein Mythos. Narzissten leben mitten unter uns – nicht als Blume, sondern als Mensch. Doch woran erkennt man sie? Und steckt nicht in uns allen ein kleiner Narzisst? Diesen Fragen geht Frau Nina Horowitz im Gespräch mit dem Psychiater und Narzissmus-Experten Pablo Hagemeyer nach.
In der aktuellen Folge von "Liebesg’schichten und Heiratssachen – Der Podcast" erklärt Hagemeyer, wie man eine narzisstische Persönlichkeitsstörung womöglich schon beim ersten Date erkennt, welche Schutzmechanismen helfen – und wann man von gesunder Liebe sprechen kann.
Bei Verdacht auf diese Persönlichkeitsstörung lohnt sich ein genauer Blick: Narzissmus hat viele Gesichter. Da wäre etwa der grandiose Typ – eitel, ehrgeizig, immer auf der Überholspur und am liebsten im Rampenlicht. "Der grandiose Narzisst strahlt wie ein Blumenstrauß", beschreibt Hagemeyer treffend. Er will gewinnen, bewundert werden, der Lustigste im Raum sein. Doch Achtung: Man erkennt ihn nicht einfach an starkem Selbstbewusstsein.
Hilfreich ist die sogenannte 5-Finger-Regel "OKBUP": O wie opportunistisch – Beziehungen sind Mittel zum Zweck. K wie kritikempfindlich – hinter der Fassade sitzt ein empfindliches Ego. B wie Brille – die Welt wird durch die Ego-Brille betrachtet, andere haben lediglich eine Funktion fürs eigene Selbst. U wie Unterstützung – die gibt es meist nur, wenn sie dem eigenen Vorteil dient. P wie Paranoia – das Gefühl, ständig benachteiligt oder angegriffen zu werden. Nimmt man dem grandiosen Narzissten diese "Egobrille", fällt sein aufgeblasenes Soufflé schnell in sich zusammen.
Daneben gibt es den vulnerablen Narzissten. Er lebt seine Besonderheit leiser aus, vermeidet Risiken und vor allem Kränkungen. Nach außen wirkt er oft zurückhaltend – doch sein Selbstwert ist genauso fragil wie der des grandiosen Typs, nur besser versteckt.
Doch Vorsicht: Der Begriff "Narzisst" wird heute schnell und oft vorschnell benutzt – fast schon als Schimpfwort. Dabei gerät aus dem Blick, dass Narzissmus nicht per se etwas Negatives ist. Es gibt durchaus gesunde narzisstische Anteile: Sie können Selbstvertrauen stärken, Antrieb geben und dazu befähigen, Verantwortung zu übernehmen oder eine Führungsrolle auszufüllen. Richtig dosiert, ist Narzissmus also nicht zerstörerisch, sondern kann sogar eine wertvolle Kraftquelle sein.
Im Laufe des Gesprächs macht Frau Horowitz klar: In dieser Podcastfolge geht es nicht nur um Theorie, sondern auch darum, Betroffenen die Augen zu öffnen. Wer das Gefühl hat, an einen Narzissten geraten zu sein, sollte laut dem Experten zunächst nach innen schauen. Fragen wie: "Wie geht es mir in dieser Beziehung? Werde ich respektvoll behandelt? Welches Menschenbild hat mein Gegenüber? Und wie verhält er sich anderen gegenüber?" sollen dabei helfen, die Dynamik besser einzuordnen – und die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen.
Schon beim ersten Date können sich Hinweise zeigen. Alarmglocken sollten läuten, wenn jemand abfällig über frühere Partner oder andere Menschen spricht. Ein weiteres Warnsignal ist das sogenannte "Fast-Forward": Wenn die Beziehung im Eiltempo vorangetrieben wird, inklusive überschwänglicher Komplimente und Sätzen wie "Du bist die Liebe meines Lebens" – Gefühle also, die normalerweise Zeit brauchen. Was wie ein romantischer Höhenflug wirkt, kann sich schnell als Sturzflug entpuppen.
Die gesamte Folge von "Liebesg'schichten und Heiratssachen - Der Podcast: Pablo Hagemeyer" ist ab 10. März zugänglich.
HINWEIS: Das Thema Narzissmus kann persönliche Erfahrungen berühren oder alte Wunden öffnen. Wenn dich etwas aus dieser Folge belastet oder du dich stark wiedererkennst, hol dir bitte Unterstützung. Du musst damit nicht allein bleiben – professionelle Hilfe kann sehr entlastend sein.