Es grenzt an ein Wunder: 15 Tage lang war Erasto Crisanto Valdez in einem unerforschten Höhlensystem in Mexiko eingeschlossen. Die Suchteams hatten längst die Hoffnung aufgegeben. Als erfahrene Höhlentaucher die Suche übernahmen, war das Ziel nur noch, seine Leiche zu bergen.
Valdez war am 23. Juli gemeinsam mit seinem Vater bei San Francisco La Paz zum Fischen unterwegs. Der 31-Jährige ging mit einer Harpune und einer kleinen Atemluftflasche ins Wasser einer Cenote, einem natürlichen, mit Wasser gefüllten Erdloch. Laut eigenen Angaben verfolgte er einen Robalo, als er immer weiter in das Höhlensystem vordrang.
Als er zurückwollte, fand er den Ausgang nicht mehr. "Ich stand unter Schock, weil ich den Ausgang nicht finden konnte", schilderte Valdez später. "Es war, als ob die Zeit stehen geblieben wäre." Nachdem Valdez nicht an die Wasseroberfläche zurückkehrte, schlug sein Vater um 19.10 Uhr bei der Gemeinde von Uxpanapa Alarm.
An der Suchaktion beteiligten sich Verwandte, Anwohner, Katastrophenschutzkräfte und schließlich auch Taucher der mexikanischen Marine. Die Tauchgänge gestalteten sich jedoch extrem schwierig. Das überflutete Höhlensystem war unerforscht und nicht kartiert.
Die Sichtweite betrug teilweise weniger als einen Meter, scharfkantige Felsen machten die Tauchgänge zusätzlich gefährlich. Am 26. Juli wurde eine offizielle Vermisstenanzeige erstattet. Am 30. Juli gaben die Behörden bekannt, dass die erste Phase der Spezialeinsatzkräfte abgeschlossen sei – die Suche werde jedoch fortgesetzt.
Schließlich übernahmen die erfahrenen Höhlentaucher Harry Gust und Rosalino "Rosso" Rivera eine entscheidende Rolle bei der Suche. Gust entdeckte nach 75 Minuten eine kleine Atemluftflasche rund 100 Meter im Inneren der Höhle. Sie gab einen Hinweis darauf, welchen Weg Valdez genommen haben könnte.
Am folgenden Tag kehrte Gust zurück. Hinter dem überfluteten Abschnitt entdeckte er eine große trockene Höhlenkammer. Er rief in die Dunkelheit, ob jemand da sei. Dann kam die Antwort: "Ja!"
Etwa zehn Meter entfernt wartete Valdez. 15 Tage lang saß er in völliger Dunkelheit fest. Gust versicherte ihm, mit Hilfe zurückzukommen.
Gemeinsam mit Rivera kehrte er wenig später zurück. Weil Valdez mit Tauchmaske und Atemregler umgehen konnte, gelang es den beiden, den schwer geschwächten Mann durch rund 100 Meter überflutete Höhle zurück zum Ausgang zu bringen. Am 7. August wurde Valdez schließlich auf einer Trage zur Rettung gebracht und ins Spital eingeliefert. Er war dehydriert und unterernährt.
Sein Überleben verdankte Valdez einem unglaublichen Zufall. Nicht nur, dass die Höhle, in der er festsaß, ausreichend Luft zum Atmen für über zwei Wochen bereitstellte – sie verfügte auch über einen Wasserlauf, der ihn mit Süßwasser versorgte. Nahrung hatte er allerdings keine. Valdez erzählte später, er habe während der 15 Tage lediglich getrunken, gebetet und geschlafen.
Ohne Tageslicht verlor der Fischer völlig sein Zeitgefühl. Als seine Retter ihn fanden, glaubte er, erst seit rund drei Tagen in der Höhle gefangen zu sein.
Am Tag seiner Rettung betete Valdez, als er plötzlich Luftblasen hörte und ein Licht bemerkte. Kurz darauf hörte er Gust rufen. "Ich habe meinen Glauben nie verloren", sagte der 31-Jährige nach seiner Rettung. Mittlerweile konnte er das Krankenhaus verlassen und seine Familie wieder in die Arme schließen.