"Wurde angehustet, weil ich um Abstand gebeten habe"

Karin H. (62) wurde im Supermarkt von einem Kunden angehustet, weil sie um Sicherheitsabstand bat.
Karin H. (62) wurde im Supermarkt von einem Kunden angehustet, weil sie um Sicherheitsabstand bat.privat
Karin H. (62) aus Leonding ist fassungslos. Ein Kunde hustete ihr im Supermarkt ins Gesicht und schrie "Corona" - weil sie um mehr Abstand bat.

"Was mich ärgert, ist diese Ignoranz von manchen Menschen und gleichzeitig diese Machtlosigkeit, dass man da einfach nichts tun kann", sagt Karin H. gegenüber "Heute" am Telefon. Montagnachmittag war die 62-Jährige in Linz in einem Supermarkt einkaufen. 

In der Brotabteilung kam es schließlich zwischen ihr und einem Kunden zum Konflikt. Ein etwa 35-Jähriger wollte der Leondingerin quasi über die Schulter greifen, um sich selbst aus dem Regal zu bedienen. Den Sicherheitsabstand konnte er so freilich nicht einhalten. Deshalb machte die 62-Jährige den Mann auch darauf aufmerksam. 

"Niemand hat reagiert"

"Ich hab' ihn um Abstand gebeten. Da sagt er 'Was ist Abstand?!', reisst sich plötzlich die Maske runter, hustet mir ins Gesicht und schreit laut 'Corona'", erzählt H. Mitarbeiter des Supermarktes hätten die Attacke mitbekommen, ist sie sich sicher. Auch andere Kunden haben das Ganze beobachtet, eingegriffen, oder etwas gesagt habe aber niemand, zeigt sich die 62-Jährige enttäuscht.    

Und wie haben Sie dann reagiert? "Ich hab' zu ihm gesagt, dass wir genau wegen solchen Aktionen noch länger mit dem Virus leben werden müssen und hab gedroht die Polizei anzurufen. Er meinte daraufhin nur ich solle das doch tun. Ich hab's dann aber gelassen, einerseits weil ich das Handy nicht dabei hatte, andererseits weil ich mir denke, was hätte die dan getan? Die Polizei hat genug anderes zu tun," so die 62-Jährige.

Nach dem Vorfall traf die Leondingerin den Mann noch einmal am Parkplatz. "Ich hatte ehrlich gesagt etwas Angst und das Gefühl, dass er beobachtete wie ich ins Auto einstieg und wegfuhr", schildert die Leondingerin. Erneut zur Auseinandersetzung war es dann zum Glück aber nicht gekommen - der Ärger allerdings bleibt. 

H. selbst ist seit Corona sehr vorsichtig, wie sie erzählt, trägt immer Maske, meidet große Menschenansammlungen und achtet auf engstem Raum nicht mit anderen Menschen alleine zu sein - fährt deshalb immer alleine mit dem Fahrstuhl.

Wurde in Bim schon wüst beschimpft 

Es war nicht ihr erstes nachhaltig negatives Erlebnis mit "Corona-Rebellen". In der Straßenbahn beispielsweise habe die 62-Jährige einen Fahrgast einmal gebeten eine Maske aufzusetzen. Als Reaktion darauf wurde sie wüst beschimpft und ihr wurde gesagt sie solle doch "die Goschn halten". 

Traurig eigentlich, immerhin wäre Abstand halten und Maske tragen doch das kleinste Übel, dass jeder für den anderen leisten könne, so H. Einen Corona-Test hat die 62-Jährige noch nicht gemacht, ihren Gesundheitszustand wird sie aber dennoch gut beobachten, wie sie sagt. "Ich hab' überlegt, habe aber keinerlei Symptome, mir geht es gut". 

Im Notfall Polizei rufen

"Heute" hat bei der Polizei nachgefragt, wie man reagieren soll. "Wichtig ist Eskalation zu verhindern", sagt Polizeisprecher David Furtner. Natürlich kann man Menschen höflich auf die Corona-Maßnahmen hinweisen. "Sieht man aber, dass die Lage eskaliert, ist es vernünftiger zu gehen und in einem Geschäft das Personal aufmerksam zu machen", so Furtner. Wird man angehustet, oder gar angespuckt, wie Frau H. dann sollte man auf jeden Fall die Polizei rufen.

"Das ist strafrechtliche relevant, vor allem wenn der Täter wirklich positiv auf das Virus getestet wird", so Furtner. Übrigens: Seit März diesen Jahres gab es in Oberösterreich 5.027 Anzeigen und 16.050 Abmahnungen, weil die Corona-Maßnahmen nicht eingehalten wurden.

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