Es ist ein trauriges Ende für ein Traditionsunternehmen mit 135 Jahren Geschichte: Der deutsche Wursthersteller Halberstadter Konserven hat Insolvenz beantragt. Das Amtsgericht Magdeburg ordnete am 2. Juni eine vorläufige Insolvenzverwaltung an.
Die Produktion ruht seit dieser Woche vollständig. Rund 150 Mitarbeiter sind betroffen und stehen vor einer ungewissen Zukunft. Besonders bitter: Das Mai-Gehalt wurde offenbar nicht mehr ausbezahlt.
Wie chip.de unter Berufung auf den MDR berichtet, floss zuletzt noch der Lohn für April. Für Mai und Juni fehlen die Mittel. Offene Ansprüche müssen Beschäftigte im Zweifel selbst als Gläubiger anmelden.
Die Eigentümerfamilie Nitsch, die das Unternehmen seit 1992 führte, hatte bereits im April mitgeteilt, einen Käufer zu suchen. "Die Liquidität ist extrem schwierig", erklärte Prokuristin Silke Erdmann-Nitsch. Die Finanzierung habe nicht funktioniert.
Das Unternehmen war von gestiegenen Energie-, Fleisch- und Personalkosten getroffen worden. Der Markt für Wurstkonserven gilt als umkämpft und rückläufig.
Es gibt zwar zwei Interessenten für Standort und Betrieb. Eine schnelle Lösung hängt jedoch davon ab, ob die Unternehmerfamilie über Grundstück und Anlagen entscheidet, die nicht der Firma selbst gehören.
Die Magdeburger Anwältin und Sanierungsexpertin Karina Schwarz hat als vorläufige Insolvenzverwalterin am 3. Juni ihre Arbeit aufgenommen. Am selben Tag wurden Betriebsrat und Mitarbeiter informiert.
Halberstadter ist bekannt als "Erfinder der Dosenwurst". Die Produktpalette reicht von Fleisch- und Wurstkonserven über frische Produkte bis zu Suppen und Fertiggerichten. Zu DDR-Zeiten befand sich das Unternehmen in Volkseigentum.