Nach dem Abbruch eines umstrittenen Theaterprojekts an der Oberschule Schleife (Sachsen) ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Inhalte an Minderjährige. Auslöser sind Strafanzeigen mehrerer Eltern einer neunten Klasse.
Nach Angaben der Polizeidirektion Görlitz und des Revierkriminaldienstes Weißwasser richten sich die Ermittlungen gegen zwei erwachsene Frauen. Sie sollen als externe Kursleiterinnen im Schulprojekt tätig gewesen sein. Die Schule hatte die beiden nach Elternprotesten noch am ersten Projekttag vom Unterricht ausgeschlossen und das Projekt gestoppt.
Konkret geht es um eine Theaterwoche unter dem Titel "Mut", bei der nach Elternangaben unter anderem explizite Bildinhalte gezeigt worden sein sollen – darunter Nahaufnahmen männlicher Genitalien sowie Darstellungen sexueller Handlungen zwischen Männern. Die beiden Frauen sollen sich der Schule gegenüber laut "Bild"-Zeitung zunächst mit ihren Vornamen "Paula und Alma" vorgestellt haben. Nach dem ersten von fünf Projekttag wurden sie der Schule verwiesen.
Laut Polizei haben mehrere Eltern Anzeige erstattet. Eine Sprecherin der Polizeidirektion bestätigte, dass wegen des Verdachts der Verbreitung pornografischer Inhalte an unter 18-Jährige ermittelt werde.
Auch das sächsische Kultusministerium sowie das Landesamt für Schule und Bildung befassen sich mit dem Fall. Die Schulaufsicht prüft, ob im Rahmen des Projekts gegen schulrechtliche Vorgaben verstoßen wurde. Nach Angaben der Behörde sollen die externen Projektleiterinnen ohne Anwesenheit von Lehrkräften mit den Schülerinnen und Schülern gearbeitet haben. Ob dies eine Aufsichtspflichtverletzung darstellt, wird derzeit bewertet.
Die Verantwortlichen äußerten sich bislang nicht öffentlich zu den Details.
Das Theaterprojekt war nach Angaben aus dem Umfeld von einer externen Initiative angeboten worden, die im Bereich kultureller Bildungsarbeit aktiv ist. Die Schule habe das Angebot angenommen und im Vorfeld Projektunterlagen sowie Nachweise der Beteiligten geprüft. Laut Informationen aus dem Umfeld sollen dabei keine Auffälligkeiten festgestellt worden sein.
Der Vorfall hat in der Gemeinde Schleife (2.500 Einwohner) für große Betroffenheit gesorgt. Eltern und lokale Vertreter kritisieren vor allem, dass die Schüler zeitweise ohne direkte Aufsicht mit den externen Projektleiterinnen gearbeitet haben. Auch die Frage, wie es zur Auswahl des Materials kam, ist weiterhin ungeklärt. Bürgermeister Jörg Funda sagte zur "Bild", als er die Fotos sah: "Als Vater von vier Kindern wäre ich auch auf den Tisch gesprungen."
Die Ermittlungen sowie die schulaufsichtlichen Prüfungen dauern an.