Rüdiger Lucassen hat am Montag seinen Rücktritt als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion erklärt.
In einem Schreiben an die Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla bestätigte er diesen Schritt. Hintergrund ist ein zunehmender interner Druck: Teile der Fraktion hatten bereits seine Abwahl vorbereitet.
Nach Informationen aus Fraktionskreisen sollte am Dienstag im zuständigen Arbeitskreis über seine Ablösung abgestimmt werden. In einem entsprechenden Antrag war von "Vertrauensverlust", "Alleingängen" und einem "Führungsdefizit" die Rede. Mit seinem Rücktritt kam Lucassen dieser Entscheidung zuvor und entzog einer möglichen Abwahl die Grundlage.
In seiner Begründung verwies Lucassen auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Er wolle verhindern, dass innerparteiliche Personaldebatten die Erfolgschancen der Partei beeinträchtigen. Zugleich kritisierte er die Entwicklung der internen Diskussion, die zuletzt in eine "Freund-Feind-Spirale" abgerutscht sei.
Der Rücktritt ist das Ergebnis eines länger andauernden Konflikts innerhalb der Fraktion. Bereits Ende letzten Jahres hatte der Fraktionsvorstand ein Ordnungsverfahren gegen Lucassen eingeleitet. Auslöser war eine Bundestagsrede, in der er den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke wegen dessen Position zur Wehrpflicht öffentlich kritisiert hatte.
Im Kern dreht sich der Streit um die verteidigungspolitische Ausrichtung der Partei. Lucassen steht für einen eher westdeutsch geprägten Kurs, der auf Wehrpflicht, militärische Aufrüstung und eine staatstragende Linie setzt. Dem gegenüber stehen vor allem Vertreter aus ostdeutschen Landesverbänden, die die AfD stärker als Friedenspartei positionieren wollen.