Wenn Züge ausfallen, fahren normalerweise Busse. In Nordrhein-Westfalen (D) setzt man jetzt auf eine ungewöhnliche Alternative: Fahrräder statt Schienenersatzverkehr.
Auf der Strecke zwischen Köln-Mülheim und Bergisch Gladbach startet ab 10. April ein Pilotprojekt. Grund ist die Sperre der S-Bahn-Linie 11 bis 3. Juli wegen Bauarbeiten. Neben klassischen Ersatzbussen sollen Pendler erstmals auch auf speziell bereitgestellte Leihfahrräder ausweichen können.
Ein Sprecher des Zweckverbands go.Rheinland erklärt: "Es ist ein Pilotprojekt, das wir im Anschluss auswerten und dann entscheiden werden, ob es auch zukünftig bei anderen Bauarbeiten an der Schiene eingesetzt wird." Ziel ist es, neue Wege für den Nahverkehr während Bauphasen zu testen.
Für das Projekt werden an fünf Bahnhöfen entlang der Strecke morgens jeweils zehn sogenannte "S11-Bikes" bereitgestellt. Nutzer können diese per App entsperren und entlang einer ausgeschilderten Route fahren. Die Räder können anschließend wieder an den Bahnhöfen zurückgegeben werden, berichtet die "Bild"-Zeitung.
Finanziert wird das Angebot von go.Rheinland gemeinsam mit dem Rheinisch-Bergischen Kreis, umgesetzt wird es von der Regionalverkehr Köln GmbH in Kooperation mit dem Sharing-Anbieter nextbike. Dieser kümmert sich auch um Pannenfälle.
Für Fahrgäste gelten dabei unterschiedliche Konditionen: Abokunden des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg erhalten pro Fahrt 30 Freiminuten, danach kostet die Nutzung einen Euro pro 15 Minuten.
Die Bauarbeiten sollen langfristig Verbesserungen bringen: Nach Abschluss soll die Strecke zuverlässiger und pünktlicher werden. Zudem ist die Modernisierung Voraussetzung für einen späteren zweigleisigen Ausbau.
Ob sich der ungewöhnliche Ersatzverkehr durchsetzt, wird sich erst nach dem Test zeigen. Eine weitere Sperre der Strecke ist bereits für 2027 geplant – dann könnte das Fahrrad-Modell erneut zum Einsatz kommen.