Rüdiger Lucassen (74) hat sein Amt als verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion mit sofortiger Wirkung aufgegeben. Der langjährige Bundeswehr-Offizier kam damit einem Misstrauensantrag zuvor, der am Dienstag auf die Tagesordnung sollte.
In seinem Rücktrittsschreiben begründete Lucassen den Schritt damit, die Chancen der AfD bei den anstehenden Landtagswahlen nicht durch Personaldebatten schmälern zu wollen.
Wie n-tv.de berichtet, war Lucassen zuletzt fraktionsintern immer mehr unter Druck geraten. Der NATO-Befürworter hatte Thüringens AfD-Chef Björn Höcke im vergangenen Jahr öffentlich vom Bundestagspult aus scharf kritisiert.
Höcke sei laut Lucassen zu dem Schluss gekommen, "dass Deutschland es nicht mehr wert sei, dafür zu kämpfen". Nach der Rede gab es öffentliche Diskussionen bei X und viel Berichterstattung über den offen ausgetragenen Konflikt. Die Fraktionsführung sprach eine Missbilligung gegen Lucassen aus.
Lucassen wirft seinen Gegnern aus dem Höcke-Lager einen "Anti-BRD-Sound" und die "Re-Etablierung des alten DDR-Kampfbegriffs" vor.
Der hessische AfD-Abgeordnete Jan Nolte, von 2008 bis 2024 Soldat und ebenfalls Mitglied des Verteidigungsausschusses, soll den Arbeitskreis Verteidigung zunächst interimsmäßig führen. Offiziell muss die AfD-Fraktion als Ganzes über die Neubesetzung entscheiden.
Nolte betonte: "Weder der Arbeitskreis Verteidigung noch die AfD ist aus Thüringen ferngesteuert." Die Kritik habe nichts mit Höcke zu tun, sondern mit Lucassens Führungsstil.