Tagung in Korea

Zitterpartie für Wien! UNESCO urteilt über Heumarkt

In Südkorea entscheidet das Welterbekomitee über den Status der Innenstadt. Die Empfehlung lautet weiterhin, Wien auf der "Roten Liste" zu lassen.
Wien Heute
17.07.2026, 10:00
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Für Wien richtet sich der Blick in den kommenden Tagen nach Busan. Dort beginnt am 19. Juli die Tagung des UNESCO-Welterbekomitees, bei der auch über den Welterbe-Status der Wiener Innenstadt entschieden wird, wie die "Presse" berichtet. Im Mittelpunkt steht erneut das umstrittene Heumarkt-Projekt. Ob Wien von der Liste der gefährdeten Welterbestätten gestrichen wird, dürfte sich frühestens ab 21. Juli zeigen. Die Beratungen dauern bis 29. Juli.

Auslöser des Konflikts ist seit Jahren das Bauvorhaben auf dem Areal von Hotel InterContinental, Eislaufverein und Konzerthaus. Geplant sind dort unter anderem Hochhäuser, die aus Sicht der UNESCO das historische Stadtbild beeinträchtigen. Deshalb steht das Historische Zentrum Wiens bereits seit 2017 auf der sogenannten Roten Liste der gefährdeten Welterbestätten.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Empfehlung bleibt auf "Rot"

Der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS), der die UNESCO fachlich berät, empfiehlt auch heuer keine Änderung. In der jüngst veröffentlichten Entscheidungsgrundlage wird vorgeschlagen, Wien weiterhin auf der Gefährdungsliste zu belassen. Begründet wird das damit, dass sich das Projekt gegenüber dem Vorjahr nicht verändert habe.

Die derzeitige Variante wurde 2023 vorgestellt. Sie sieht eine maximale Gebäudehöhe von 49,95 Metern vor – ursprünglich waren bis zu 73 Meter geplant. Zudem entschied das Bundesverwaltungsgericht im Februar, dass für das Projekt eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist. Investor Michael Tojner hat dagegen eine außerordentliche Revision eingebracht.

Hoffnung nach Lobbying-Offensive

In den vergangenen Jahren folgte das Welterbekomitee stets der Empfehlung von ICOMOS. Diesmal hoffen Bund und Stadt Wien dennoch auf einen anderen Ausgang. Medienberichten zufolge wurde im Vorfeld auf politischer und diplomatischer Ebene intensiv für eine Streichung von der Roten Liste geworben. Demnach soll unter anderem auch ein von WertInvest produzierter Imagefilm an Mitglieder des Komitees verteilt worden sein.

Kritik an Stadt und Bund

Kritik daran kam zuletzt von der FPÖ. Sie erklärte: "Die Fachgremien lassen sich weder von Imagefilmen noch von Hinterzimmerdiplomatie beeindrucken." Auch die Umweltorganisation Virus forderte ein Ende der Interventionen und erklärte: "Die Bundesregierung möge ihre unstatthaften Interventionen zugunsten eines privaten Bauprojekts unverzüglich einstellen, und es bleibt zu hoffen, dass sich das Welterbekomitee davon nicht irritieren lässt."

Auch die Wiener Grünen üben vor der UNESCO-Entscheidung Kritik am Vorgehen von Bund und Stadt. Statt auf Lobbying zu setzen, brauche es die Umsetzung der Empfehlungen des Welterbekomitees. "Wer den Welterbe-Status der Wiener Innenstadt erhalten will, muss die offenen Aufgaben ernsthaft angehen. Es braucht konkrete Maßnahmen statt Symbolpolitik", betonen Gemeinderätin Jennifer Kickert und Klubobmann Alexander Hirschenhauser. Aus ihrer Sicht geht es dabei nicht nur um das Heumarkt-Projekt, sondern auch um weitere offene Auflagen der UNESCO.

Entscheidung notfalls per Abstimmung

Grundsätzlich versucht das Welterbekomitee, Entscheidungen im Konsens zu treffen. Kommt keine Einigung zustande, wird abgestimmt. Für eine Streichung Wiens von der Roten Liste wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit erforderlich. Das bedeutet: Mindestens 15 der 21 Mitgliedstaaten müssten dafür stimmen. Österreich selbst gehört dem Gremium derzeit nicht an.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 17.07.2026, 11:15, 17.07.2026, 10:00