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Zu lange krank – Corona-Polizeischüler Gehalt gekürzt

Ein ehemaliger Wiener Polizeischüler erhebt Vorwürfe gegen die LPD Wien: Er erkrankte an Corona und bekam deshalb nur 500 Euro Gehalt.
Maxim Zdziarski
20.04.2022, 19:42

Roman M. (31, Name von der Redaktion geändert*) entschloss sich als Quereinsteiger bei der Wiener Polizei eine Ausbildung zu absolvieren. Als er sich bei der LPD Wien meldete, ahnte er jedoch nicht, welche persönliche Enttäuschung ihm bevorstehen würde.

Im März erkrankte der 31-Jährige am Coronavirus und musste anschließend zehn Tage lang in Quarantäne. Doch nach der Isolation war er körperlich immer noch nicht ganz fit, weshalb er in den Krankenstand ging. Schließlich konnte Roman im April wieder zurück in den Dienst treten. Doch als er auf seinen Gehaltszettel blickte, traf ihn der Schock: Statt den knappen 1.400 Euro bekam er lediglich etwa 500 Euro überwiesen. "Die Enttäuschung war groß, ich habe die letzten Monate sehr viel Kraft und Zeit in die Ausbildung investiert – und das war der Dank dafür", ärgert sich Roman. 

Darum bekam Polizeischüler weniger Geld

Im Vertragsbedienstetengesetz sind Dienstausfälle genau geregelt. Demnach haben Dienstnehmer Anspruch auf ihr volles Gehalt, solange der jeweilige Krankenstand nicht länger als 42 Tage andauert. Diese Frist gilt für einen Zeitraum von sechs Monaten. 

"Anzumerken ist, dass, wenn innerhalb von sechs Monaten abermals eine Dienstverhinderung eintritt, dies als Fortsetzung der früheren Dienstverhinderung gilt", erklärt eine Pressesprecherin der Wiener Polizei im Gespräch mit "Heute". Wer jedoch die 42-Tage-Frist überschreitet, dem steht für den Zeitraum des Krankenstandes nur noch die Hälfte des Monatsgehalts zu. Diese gesetzliche Regelung gibt es nicht nur bei der Wiener Polizei, sondern gilt für alle, die in einem privatrechtlichen Arbeitsverhältnis zur Republik Österreich stehen.

Impf-Nebenwirkungen, Corona und Verletzungen

Tatsächlich fehlte Roman krankheitsbedingt 45 Tage in der Arbeit und war somit genau drei Tage über der gesetzlichen Frist. Mehr als die Hälfte davon aufgrund seiner Corona-Erkrankung und den Nebenwirkungen nach dem Covid-Jaukerl – der Rest fiel laut ihm auf Verletzungen im Einsatztraining. "Wäre ich nicht an Corona erkrankt, hätte ich mein Gehalt bekommen", so der 31-Jährige im Gespräch mit "Heute".

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Die LPD Wien handelte also im rechtlichen Rahmen und wickelte die Überweisung korrekt ab. Doch das ist dem Wiener nur ein schwacher Trost: "Ich hätte mir etwas mehr Menschlichkeit erwartet." Er selbst möchte sich nicht weiter "erniedrigen" lassen und empfindet dies als "unglaubliche Ungerechtigkeit". "Selbst als Veloce-Fahrer verdiene ich mehr und brauche mir solche Spielchen nicht mehr anzutun", wütet er im "Heute"-Talk. Roman hat letztendlich seine Konsequenzen gezogen – für ihn ist die Karriere bei der Wiener Polizei nun Geschichte.

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