"Es ist Scheiße, dass Hirscher nicht mehr fährt"

Peter Schröcksnadel (78) geht in seine 31. Saison als ÖSV-Boss. Nach einer Knieverletzung fährt er heuer selbst wieder Senioren-Rennen. Mit „Heute" sprach er über die Zeit nach Hirscher und verriet Pläne.

„Heute":Wann haben Sie Mar­cel Hirscher zuletzt getroffen?

Peter Schröcksnadel:"Vor ein paar Tagen. Wir waren fischen, Marcel hatte ein Loch in der Hose, war dann völlig nass. Wir mussten früher aufhören. Es ist Scheiße, dass er nicht mehr fährt. Ich habe ihm aber dazu geraten. Du musst als Sieger abtreten, als Zweiter wäre er ein Verlierer gewesen. Und: Er hätte für die neue Saison sehr viel Energie aufbringen müssen."

Wer siegt jetzt?

"Wir sind in Lauerstellung. Die große Kugel wird schwer, ist aber nicht unmöglich. Wichtig ist mir der Nationencup. Den hätten wir zuletzt ohne Hirscher nicht geholt."

Was bleibt vom Hirscher-Team?

"Der Spirit. Seine Trainer setzen wir am Sprung vom Europa- zum Weltcup ein. Dort hat keiner Top-Trainer. Papa Ferdl hilft, wenn wer mit dem Material Probleme hat. Er hat im ersten Jahr keine Jacke von uns angezogen, jetzt ist er ein ÖSV-Mensch."

Ist das Ihre Abschiedssaison?

"Ich entscheide im Mai. Kriegen wir die WM 2025 in Saalbach, wohl ja. Sonst muss ich zwei Jahre weiter arbeiten."

Werden Sie dann FIS-Boss?

"Nein, ganz sicher nicht. Ich glaube aber, dass Gian-Franco Kasper aufhört."

Verraten Sie uns, was heute das Wichtigste im Rennsport ist?

„Der Schuh. Viele übertreiben es aber beim Set-up, fahren mit Rücklage wie einst Bode Miller, um schneller zu sein und verletzen sich dann. Hirscher fuhr mit Knievorlage, große Verletzungen blieben ihm erspart."

Was gehört geändert im Skisport?

"Die neue Kombi ist gut. Die Abfahrer haben bessere Chancen, ich glaube auch, dass sie bei diesem Format mitziehen werden. Die Parallelrennen taugen mir nicht. Sie würden nur in einer Parallelserie von Mai bis September in der Halle Sinn machen. Es bringt nichts, wenn der Skitross im Winter in eine Halle nach Dubai fliegt. 46 Rennen sind viel, das größere Problem sind aber die Reisen für die Athleten, die machen es anstrengend."

Ihre Lehren aus „Me Too"?

"Pädophile kannst du nicht ändern. Wir tun aber mehr als alle anderen. Ich komme gerade von der Psychologin Leibovici. Unser Plan: Die Athletinnen müssen so selbstbewusst und stark sein, dass sie sagen, wenn was ist. Selbstbewusste Athletinnen sind auch glücklicher. Und wenn sie glücklich sind, gewinnen sie auch mehr."

Wo setzen Sie sportlich an?

"So gut sind wir nicht, wir brauchen einen Vorteil bei Trainingsstrecken. Als US-Coach nahm uns Patrick Riml Sölden und viel Geld weg. Jetzt ist er bei uns."

Was planen Sie noch?

"Eine Halle in Kühtai auf den Berg raufzustellen. 300 Höhenmeter reichen und du hast einen 40-Sekunden-Lauf. Wenig Aufwand, drunter ist ja alles da."

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