"Ich glaube an zwei Dinge: Redefreiheit und Brüste"

Ein amerikanischer Sportmoderator betont in einem Live-Gespräch mit einer CNN-Moderatorin, woran er im Leben wirklich glaubt. Mehrmals.
Am Anfang stand Twitter: Jemele Hill, eine afroamerikanische Journalistin des US-Sportsenders ESPN, hatte auf dem Kurznachrichtendienst ihre persönliche Meinung über Präsident Donald Trump kund getan: Sie bezeichnete Trump als Fanatiker und Rassisten, der sich mit anderen Rechtsextremisten umgäbe – ein unfähiger Präsident, den niemand ins Amt gewählt hätte, wenn er keine weiße Hautfarbe hätte.

Daraufhin verlangte Trump eine Entschuldigung des Senders – ESPN distanzierte sich auf Twitter von Hills Statement und erinnerhalbe seine Mitarbeiter an den vorsichtigen Umgang mit sozialen Medien und Huckabee Sanders, Sprecherin des Weißen Hauses, meinte auf einer Pressekonferenz, dies sei sicherlich ein Grund für eine Entlassung.

Für CNN ein gefundenes Fressen

CNN-Moderatorin Brooke Baldwin lud zu diesem Thema zur Live-Diskussion. Unter anderem nahm Clay Travis, Radiomoderator bei Fox Sports daran teil. Er verteidigte Hills Aussagen und kritisierte das Verhalten von ESPN, denn er glaube an zwei Dinge: An den 1. Zusatzartikel und an Brüste ("First Amendment and boobs").

Der 1. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten garantiert unter anderem die Meinungsfreiheit – er schützt also Hills Recht, Trump einen weißen Rassisten zu nennen aber auch Travis'Recht, "Boobs" im US-Fernsehen zu sagen.

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Die Moderatorin traute ihren Ohren nicht und hakte nach:

"Ich möchte nur sicherstellen, dass ich dich richtig gehört habe, als eine Frau, die diese Show leitet", unterbrach sie Travis. "Was hast du gerade gesagt, du glaubst an den 1. Zusatzartikel und B-Doppel-O-B-S?"

Travis fuhr mit seinen Ausführungen fort, aber Baldwin blieb wie erstarrt. Noch einmal fragte sie: "Ich möchte nur sicherstellen, dass ich dich richtig hörte: B-O-O-Z-E oder B-O-O-B-S? Weil als Frau...", wollte sie fortfahren als Travis erwiderte: "Ich sagte boobs".



Brooks wollte von ihrem Talkgast wissen, weshalb er eine derart sexistische Bemerkung im nationalen Fernsehen fallen ließe – und das bei einem weiblichen Gastgeber. Und Travis legte nach: "Weil ich Brüste und den 1. Zusatzartikel mag."

Mindestens sieben Mal nahm Travis das Wort Brüste in den Mund, was auch den zweiten Talkgast, Journalist Keith Reed, verwirrte. Er glaube zwar auch an den 1. Zusatzartikel und möge Frauen, das Nennen von Geschlechtsteilen habe in dieser Sendung aber absolut nichts zu suchen. Er sei ein Unterstützer von Frauen und lobte sowohl die Moderatorin als auch Jemele Hill für deren Arbeit.

"Ich sage das jeden Tag"

Und Clay Travis? Der Sportreporter versucht aus seiner zusätzlichen gewonnen Popularität Kapital zu schlagen und verteidigt auf dem sozialen Netzwerk Periscope seine Aussage, die er nach eigenen Angaben täglich mache. Und beinahe schon demonstrativ internet-affin befragt er in einer Online-Umfrage seine Leser, was sie denn lieber mögen: Den 1. Zusatzartikel oder Brüste.



(mp)

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