"Liga darf nicht so einen Schiedsrichter schicken"

Bild: GEPA pictures

Nach der Euphorie rund um die Verpflichtung von Stefan Maierhofer und dem überraschenden Sieg gegen den WAC ist Tabellenschlusslicht Wiener Neustadt wieder am Boden der Tatsachen gelandet. Gegen den SK Rapid setzte es am Samstagabend in der 17. Bundesliga-Runde eine klare 0:3-Niederlage. Für Gesprächsstoff bei Freund und Feind sorgte aber vor allem die umstrittene rote Karte gegen Neustadts Daniel Schöpf.

Nicht nur Schöpf reagierte verwundert als er in der 43. Minute nach einem Zweikampf mit Steffen Hofmann an der Mittellinie von Schiedsrichter Dominik Ouschan den roten Karton gezeigt bekam. "Er ist mir von hinten auf die Wade gestiegen", erklärte der Rapid-Kapitän, der die Entscheidung ebenfalls ein wenig hart sah. Doch das Foul hatte auch für Hofmann Konsequenzen, er musste in der Halbzeit angeschlagen in der Kabine bleiben. "Die Wade hat dann sofort zugemacht. Masseur meines Vertrauens meinte dann, es ist besser wenn ich draußen bleibe. Es war eine reine Vorsichtsmaßnahme", meinte der Deutsche.

Barisic nahm Spieler zur Brust

Doch zurück zum Schöpf-Ausschluss bzw. den Szenen davor. Rapid startete nach drei Niederlagen mit der Wut im Bauch in die Partie. "Wir hatten uns für die heutige Partie viel vorgenommen", sagte Rapid-Trainer Zoran Barisic. Für ihn war das letzte Spiel in Grödig (1:3) "das zweitschlechteste in meiner Karriere als Rapid-Trainer". Nur das 2:2 vor einem Jahr ebenfalls in Grödig war mieser, so der Wiener. Er rief seinen Spielern unter der Woche in mehreren Gesprächen in Erinnerung, "was es bedeutet für Rapid zu spielen und welche man Verantwortung man dadurch hat" und sah dann gegen Wiener Neustadt "ein gutes Spiel meiner Mannschaft".

Gleich in der 13. münzte Florian Kainz eine sehenswerte Hofmann-Vorlage zur 1:0-Führung um. Dann aber flauten die Angriffe der Exil-Hütteldorfer bis zur Pause immer mehr ab. Und auch die erste Viertelstunde der zweiten Halbzeit veranstaltete Rapid trotz Überzahl kein Feuerwerk an Torszenen. "In der Phase bis zum 2:0 hätte ich mir noch mehr Ballzirkulation gewünscht, damit wir auf der Seite besser durchbrechen können", urteilte Barisic.

Zweites Tor war K.o. für Wiener Neustadt

Sein Gegenüber, Neo-Neustadt-Trainer Helgi Kolvidsson, roch die Chance. "In der zweiten Hälfte hatte ich ein paar Mal den Eindruck, es könnte etwas werden für uns. Aber genau zu diesem Zeitpunkt, als wir auf Offensive geschaltet haben, haben wir das zweite Gegentor bekommen. Und dann war das Spiel gelaufen", meinte der Isländer nach seinem ersten Spiel auf der Betreuerbank des Tabellenletzten. Robert Beric sorgte in der 72. Minute nach Vorarbeit von Kainz für das 2:0 und traf sechs Minuten später per Ferse zum 3:0-Endstand.

Maierhofer kritisiert Schiedsrichter Ouschan

Über den entscheidenden Wendepunkt, die rote Karte gegen Schöpf, wollte Kolvidsson nicht diskutieren, da er Schiedsrichterentscheidungen akzeptiere. Nicht so sein Star-Stürmer Stefan Maierhofer. "Es ist bitter, wenn du so rackerst und dann durch so eine Entscheidung, die ich nicht nachvollziehen kann, zurückgeworfen wirst", ärgerte sich der Niederösterreicher nach seinem zweiten Spiel für Neustadt und fuhr fort: "Ich kann's es verstehen, wenn er mit dem gestreckten Bein von hinten reinrutscht, aber das war ein normaler Zweikampf. Er hat versucht den Ball wegzuspitzeln und hat dabei Hofmann etwas erwischt."

Das Urteil über Ouschan fällt hart aus. "Der Schiedsrichter ist bei mir drei Mal vorbeigerannt und hat seine Stifte am Platz gesucht. Die Bundesliga darf nicht so einen Schiedsrichter herschicken, wenn er so nervös ist und seine Utensilien nicht bei sich behalten kann", fand Maierhofer, der glücklich war, nicht selbst vom Platz geflogen zu sein. Kurz vor der Pause war er, als er sich nach einem Ball streckte, in Rapid-Goalie Jan Novota gerutscht und von Ouschan mit Gelb verwarnt worden.

"Novota hat sich bei mir bedankt, dass ich zurückgezogen habe. Trotzdem habe ich die gelbe Karte bekommen. Wenn er sich theatralisch fallen lässt, hätte ich wahrscheinlich Rot gesehen, deswegen habe ich mich auch bei Novota bedankt. Dem Schiedsrichter hat heute das Fingerspitzengefühl gefehlt", so Maierhofer, der aber festhielt, dass er die Schiedsrichterleistung nicht als Ausrede für die Niederlage festhalten will. "Der Knackpunkt war der frühe Gegentreffer. Dann sind wir zwar aufgewacht, aber die rote Karte und mit einem Mann weniger war heute nichts zu holen. Rapid war im Ballbesitz einfach stark."

Rapid peilt sechs Punkte in zwei Spielen an

Er selbst fand ebenfalls nur wenige Möglichkeiten vor.  "Wir haben uns über die Flügel nicht so durchgesetzt, da tut sich ein Spielertyp wie ich einfach schwer", meinte Maierhofer. "Wir haben uns gut darauf vorbereitet, dass sie viel mit langen Bällen auf Maierhofer spielen werden", erklärte Kainz, der nach dem Ende der Niederlagenserie erleichtert wirkte. "In der Tabelle ist alles eng beisammen, deswegen war der Sieg sehr wichtig."

"Wir sind bei Rapid und da darf man keine drei Spiele verlieren. Nicht mal eines, sonst steht man kurz vor dem Weltende", weiß Hofmann. "Wir haben heute ein gutes Spiel gegen einen Gegner gemacht, wo wir wussten, dass er uns wehtun kann, aber wir haben keine Situationen zugelassen." Kainz strotzt vor den letzten zwei Spielen in diesem Kalenderjahr bereits vor Selbstvertrauen: "Wir müssen weiter hart arbeiten. Mit den zwei Auswärtsspielen gegen den WAC und Salzburg warten schwierige Aufgaben auf uns. Realistisch sind sechs Punkte. Rapid hat diesen Anspruch."

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