"Mache mir Sorgen um Straches Psycho-Zustand"

PR-Berater Stefan Petzner spricht im "Heute"-Interview Klartext über die Ankündigung von Heinz-Christian Strache, 2020 ein politisches Comeback anzudenken.
Mit Abspaltungen und Skandalen in der freiheitlichen Gesinnungswelt kennt er sich aus – Stefan Petzner, jahrelang Pressesprecher von Kärntens verstorbenem Ex-Landeschef Jörg Haider, dann PR-Berater und spätberufene Dancing-Stars-Kultfigur.

Straches Schicksal gleicht einem Déjà-vu



Auch im von "Heute" Freitagabend angestrengten Telefonat tanzt er nicht lange um die Thematik herum und formuliert: "Mehr Déjà-vu geht eigentlich gar nicht. Ich erinnere mich noch gut, als Jörg Haider 2005 angeboten hat, wieder FPÖ-Obmann zu werden – wie Strache 2019. Jörg Haider gründete dann im April 2005 das BZÖ – wie Strache im Dezember 2019 die DAÖ. Haider wurde in der Folge aus der FPÖ ausgeschlossen – ebenso, wie Strache heute ausgeschlossen wurde."

CommentCreated with Sketch.19 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Bitter fährt er fort: "Ich erinnere nur daran, was Strache damals Jörg Haider alles an den Kopf geworfen hat – Verräter, Verrückter, der hat doch nicht mehr alle Tassen im Schrank, möge am orangen Komposthaufen der Geschichte verfaulen und, und, und. Jetzt trifft ihn das alles selber – ausgeschlossen wegen seiner Diarrhö-Partei."

"Ich mache mir langsam ehrlich gesagt Sorgen um den Psycho-Zustand Straches. Er wirkt müde, kraftlos, leer und erschöpft."


Angesprochen auf das von Strache veröffentlichte Facebook-Video sagt Petzner: "Da fragt man sich schon. Ich mache mir langsam ehrlich gesagt Sorgen um den Psycho-Zustand Straches. Er wirkt müde, kraftlos, leer und erschöpft. Er kann einfach nicht loslassen", mutmaßt der PR-Profi. Und rät dem blauen Gottseibeiuns: "Nur wer loslässt, wird endlich frei. Ich wünsche ihm das als Menschen. Man muss wissen, wann es vorbei ist."

Petzner empfiehlt Strache zudem die Konsultation von medizinischem Fachpersonal, zwar nicht wegen Diarrhö, wohl aber wegen seelischem Ballast: "Er sollte sich dringend ärztliche Hilfe und Betreuung suchen – ich meine das nicht einmal ironisch. Es ist keine Schande, zu einem Psychologen zu gehen. Das ist für ihn ein schwerer Schlag, ein wahnsinniger Einschnitt in seinem Leben. Aber das Facebook-Video, das er heute veröffentlicht hat, hat mich ehrlich schockiert."

"Erfolge traue ich ihm damit nicht zu. Strache ist kein Haider. Kickl war Straches Hirn. Jetzt ist Strache kickllos und somit hirnlos."


Was er von der neuen DAÖ-Partei mit dem potenziellen Zugpferd Strache hält? Petzner schonungslos ehrlich: "Erfolge traue ich ihm damit nicht zu. Strache ist kein Haider. Kickl war Straches Hirn. Jetzt ist Strache kickllos und somit hirnlos. Was übrig bleibt, ist eine leere Marketinghülle." Angesprochen auf die massiven Wahlerfolge Straches und das überwältigende Vorzugsstimmen-Ergebnis nach der EU-Wahl (post-Ibiza): "H.-C. war ein perfekt inszeniertes und vermarktetes PR-Produkt. Politisches Können steckt da aber nicht dahinter."

Petzners Analyse: "Haider und Strache trennen Welten"



Einer, der wie Strache jetzt, nicht loslassen konnte, war der 2008 tödlich verunfallte Jörg Haider. Auch er wollte es mit der Gründung des BZÖ noch einmal wissen. "Es stimmt", sagt Petzner, "er hat letztlich das Wunder des Comebacks geschafft. Die Kraft, die Ausdauer, die Disziplin, das politische Know-how von ihm hat Strache aber nicht. Haider hat Jahre dafür gebraucht." Außerdem: "Bei aller Wertschätzung, die beiden trennen Welten. Jörg Haider war ein hochgebildeter Verfassungsjurist, der Intellekt gehabt hat. Außerdem hatte er bei der Gründung des BZÖ einen Parlamentsklub hinter sich, er war Landeshauptmann von Kärnten und hatte die Kärntner Landesgruppe geschlossen hinter sich. Strache hat nur ein paar Hanseln, die kein Mensch kennt und die bei einer Pressekonferenz keinen geraden Satz herausbringen."

"Heinz-Christian Strache ist bei der Wien-Wahl 2020 chancenlos. Fünf Prozent schafft er nie und nimmer."


Conclusio: "Er ist in Wien chancenlos." Grenz-philosophisch fügt Petzner an: "Von altem Applaus kann man nämlich nicht leben. Nichts wendet sich schneller als Applaus. Er schlägt in der Politik rasch in heftigste Buh-Rufe um. Ich glaube nicht, dass es so viele Hardcore-Strache-Anhänger gibt, wie manchmal getan wird. Fünf Prozent in Wien schafft er nie und nimmer."

"Strache hat nur ein paar Hanseln hinter sich, die keinen geraden Satz herausbringen."


Der langjährige Haider-Pressesprecher hat dafür auch eine Erklärung, er führt sie leicht martialisch aus, in dem er den Stimmenfang mit einem Krieg vergleicht: "Ein Wahlkampf ohne Bodentruppen, geführt nur aus der Luft, ist schwer zu gewinnen. Die Strache-Partei hat aber keine Bodentruppen, die in Gemeindebauten gehen und das Gespräch mit den Leuten suchen. Nur mit Inseraten und schönen Worten in Interviews kann es allerdings nicht klappen – schon gar nicht so schnell. Und man darf ebenfalls nicht vergessen, dass Strache nun sogar seine Facebookseite, von der er immer enorm profitiert hat, verloren hat."

"Haider war Landeshauptmann. Was ist Strache derzeit? Verdächtiger in einem Strafverfahren."


Als "Heute" einwendet, dass auch Rechtspopulist Jörg Haider bei der Nationalratswahl 2008 völlig überraschend noch einmal 10,8 Prozent geschafft hat, schüttelt Stefan Petzner nur den Kopf: "Er war Landeshauptmann. Was ist Strache derzeit? Verdächtiger in mehreren strafrechtlichen Ermittlungsverfahren. Und keiner weiß, was da noch alles auftauchen wird. Täglich sind neue Enthüllungen im Zusammenhang mit Heinz-Christian Strache zu befürchten."

Ein wahres Wort, gelassen ausgesprochen ...

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