Austria-Star Florian Klein im "Heute"-Interview: Warum man in der Corona-Krise merkt, wer die wichtigsten Aufgaben in der Gesellschaft erfüllt, wie er sich fit hält und was er vom Thema Kurzarbeit für Fußballer hält.
"Heute": Florian, wie erlebst du die Entwicklungen rund um die Coronavirus-Pandemie mit?
Florian Klein:"So etwas haben wir schon sehr lange nicht mehr erlebt. Eine völlig neue Situation, persönlich macht man einfach das Beste daraus. Wir verbringen viel Zeit im Garten. Den lernt man in dieser Zeit so richtig zu schätzen, weil man sich frei draußen bewegen kann, ohne dass man in Kontakt mit anderen tritt. Ich muss aber auch viel lernen mit den Kindern. Der Größere ist im Gymnasium, da geht es mit Online-Aufgaben zur Sache – fad wird uns nicht."
Was sagst du zu den Helden des Alltags, wie zum Beispiel den Supermarktangestellten?
"Es relativiert sich jetzt viel. Man sieht, wer die wichtigsten Aufgaben in unserer Gesellschaft erfüllt. Da merkt man, gerade was mich als Fußballer betrifft, dass man in einer Krisensituation einen komplett unwichtigen Job hat. Das wird viele betreffen, die normal in der Gesellschaft relativ hoch angesehen sind und jetzt mehr oder weniger unwichtig sind. Man lernt Berufe neu schätzen. Wichtig ist, dass man das nach der Krise nicht sofort wieder vergisst."
Wie schaut dein Berufsalltag jetzt aus – Stichwort Heimtraining?
"Wir haben bei der Austria, wie bei allen anderen Vereinen auch, ein Heimprogramm bekommen. So wie im Urlaub, aber intensiver, da wir ja direkt unter der Meisterschaft sind und es schnell wieder weitergehen kann. Aber ich würde eigentlich gar keinen Plan brauchen. Man ist auch froh, wenn man den ganzen Tag daheim ist, dass man auch Zeit für sich hat, dass man etwas für sich macht und von daher genieße ich das Training auch sehr. Es ist richtig cool, wenn man sich richtig auspowern kann. Man ist nachher einfach besser drauf. Ich habe viele Sachen zum Trainieren daheim, alles, was man für ein gutes Zirkeltraining braucht. Plus die Läufe – ich bin ganz gut ausgestattet für die Heimquarantäne."
Viele Österreicher werden jetzt zur Kurzarbeit angemeldet. Ist das auch ein Thema bei euch Spielern?
"Das ist natürlich auch bei uns ganz groß. Wir Spieler sind im ständigen Kontakt mit dem Zuständigen bei der Austria. Vor allem die Älteren im Team transportieren das weiter, der Austausch ist sehr gut. Dass es dazu kommen muss, erklärt sich von selbst. Es war noch nie, dass wirklich alles still steht. Kein Unternehmen kann es sich dann leisten, dass es wie normal weitergeht. Das heißt, das wird auch bei uns, so wie bei den anderen Vereinen, kommen. Davon bin ich überzeugt."
Die Austria war vor der Corona-Krise bereits finanziell angeschlagen. Verschärft sich die Lage jetzt nochmals?
"Dass der Verein zuletzt nicht so da stand wie in den Jahren zuvor, das kann sein. Aber es ist nicht so, dass die Austria pleite ist oder kein Geld hat. Aber es ist wichtig, dass jeder Mitarbeiter einen Beitrag leistet, sonst wird es einfach schwierig."
Hast du eine Vorstellung, wann es für euch wieder mit dem Ligabetrieb weiter gehen kann?
"Jetzt gibt einmal die Regierung vor, wie es weiter geht. Wenn die sagt, dass die Kurve am Abflachen ist, wird es auch nicht so sein, dass wir eine Woche später wieder trainieren können. Ich gehe davon aus, dass das bis Mitte April dauern wird. Dann hoffe ich, dass wir wieder schnell starten können. Die Bundesliga ist nicht das Wichtigste, das ist die Gesundheit. Aber wenn die Liga im Mai wieder weitergehen sollte, müssten wir vorher auch ein bisschen trainieren. Aber wie gesagt: Alles ist abhängig von der Gesundheit, die steht im Vordergrund."
Die aktuelle Corona-Karte für Österreich: