Für viele Pendler ist der Weg zum Bahnhof längst Routine: Auto abstellen, Ticket lösen, weiter mit dem Zug. Doch auf manchen ÖBB-Parkplätzen kann genau dieser Ablauf teuer werden – zumindest dann, wenn das System den Fahrschein nicht erkennt.
Wie der "Kurier" berichtet, sollte ein Westbahn-Kunde am Bahnhof Attnang-Puchheim in Oberösterreich für zwei Tage Parken plötzlich 104 Euro zahlen. Eigentlich wären für diesen Zeitraum nur vier Euro fällig gewesen.
Der Hintergrund: Die ÖBB haben in Oberösterreich schrittweise ein Park-and-Ride-Zufahrtssystem eingeführt. Damit sollen die Stellplätze jenen vorbehalten bleiben, die tatsächlich mit Bahn oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln weiterfahren. Früher waren manche Parkdecks frei zugänglich und wurden auch von Autofahrern genutzt, die gar nicht auf Öffis umstiegen.
Zuerst wurden Schranken eingeführt, später kam die Gebührenpflicht dazu. In Wels, Vöcklabruck und Attnang-Puchheim kostet das Parken seit April je zwei Euro für die ersten beiden Tage, danach steigt der Tarif: vier Euro pro Tag für Tag drei bis fünf, ab dem sechsten Tag sechs Euro täglich. Maximal 30 Tage darf ein Auto dort stehen.
Im konkreten Fall scheiterte die Ausfahrt aber am Ticket. Das System konnte den gültigen Westbahn-Fahrschein offenbar nicht auslesen. Laut Stellungnahme des Parkplatzbetreibers Apcoa hieß es dazu: "Der Code auf den Westbahntickets hat kein lesbares Format für uns."
Die Folge: Statt vier Euro wurden 50 Euro pro Tag verrechnet – insgesamt also 104 Euro. Nach einer Beschwerde wurden die 100 Euro wieder ausgebucht, der Fahrgast musste am Ende nur den regulären Betrag von vier Euro zahlen.
Ganz gelöst ist das Problem damit aber nicht. Westbahn-Kunden müssen sich laut Bericht weiterhin entweder nachträglich rechtfertigen oder bereits im Zug einen eigenen P+R-QR-Code holen. Dieser wird von Zugbegleitern auf Nachfrage ausgestellt.
Entsprechend mies fallen auch die Google-Bewertungen des P+R in Attnang-Puchheim aus. Seit Monaten machen Pendler dort ihrem Unmut Luft:
Eine generelle Anpassung der Westbahn-Tickets, damit sie direkt vom ÖBB-Parksystem gelesen werden können, ist demnach nicht geplant.
Bei den ÖBB wird das neue System noch evaluiert. Zu Einnahmen, Kosten und statistischen Veränderungen beim Parkverhalten liegen wegen der kurzen Einsatzzeit noch keine aussagekräftigen Daten vor. Beobachtet wurde aber bereits eine Entspannung: "In Wels haben wir beobachtet, dass die Einführung des Zufahrtssystems und der dortigen Tarife zu einer wesentlichen Entspannung der Parksituation geführt hat."
In Vöcklabruck finden Bahnpendler wieder leichter freie Plätze auf den vorgesehenen Stellflächen. Gleichzeitig sorgt die neue Regelung offenbar für Verdrängung: Manche Autofahrer weichen auf umliegende Gassen beim Bahnhof aus.