1500 Polizisten! Angst vor neuem Superclasico-Eklat

River-Plate-Fans In Buenos Aires gegen die Boca Juniors - Foto vom 1. September 2019.
River-Plate-Fans In Buenos Aires gegen die Boca Juniors - Foto vom 1. September 2019.Bild: imago sportfotodienst
Dazu 173 Kameras und ein Teambus mit Panzerglas: Beim Halbfinale der Copa Libertadores zwischen Boca Juniors und River Plate soll ein Debakel wie im Vorjahr verhindert werden.
Wenn er doch nur wüsste, was er angerichtet hat. Dabei wollte Antonio Palacio Zino nur seine Leser etwas ärgern. Nach einer Abstimmung der Zeitung "La Mañana", ob Boca Juniors oder River Plate der beliebteste Fußballclub von Buenos Aires ist, fälschte der argentinische Journalist ein paar Leserbriefe, beziehungsweise schrieb er sie kurzerhand selber. Das war 1911, wie Sergio Lodise im Blatt "Clarin" schreibt – und laut dem Historiker wohl der Anfang einer Rivalität, die mit den Jahren zu blankem Hass mit zahlreichen Todesopfern wurde. Und Ende November vergangenen Jahres in einem Skandal gipfelte, der zum traumatischen Erlebnis für viele Fußballfans wurde.

Bereits vor dem Hinspiel des Finales der Copa Libertadores, des südamerikanischen Pendants zur Champions League, zwischen Boca und River war von einem einmaligen Ereignis die Rede. Erstmals trafen die Erzrivalen im wichtigsten Klubspiel des Kontinents aufeinander. Nach dem 2:2 in der ersten Partie in Bocas "Bombonera" wurde das Rückspiel vielerorts zum Spiel des "Jahrhunderts" erkoren. Weil der Teambus von Boca Juniors auf dem Weg ins River-Stadion attackiert und mehrere Spieler verletzt worden waren, musste die Partie zuerst um einen Tag verschoben werden. Später verlegten die Verantwortlichen von Südamerikas Fußballverband die Partie gar nach Madrid. Das wichtigste Klubspiel in Argentiniens Fußball, ausgerechnet in der Hauptstadt des früheren Besetzers Spanien? Mehr Demütigung ging nicht. Nun, für Boca schon. Nach 1:0-Führung verlor "El Rey de Copas" (Übers. König der Pokale) 1:3 nach Verlängerung.

20 Jahre werde der Verlierer brauchen, um sich zu erholen. Dies zumindest sagte Staatspräsident Mauricio Macri, ehemaliger Vereinsboss von Boca Juniors. "In Madrid gestorben" seien sie bei Boca, höhnen die River-Fans in einem der eigens für den Superclásico komponierten Lieder. Dass nun kein Jahr später die Chance zur Wiederauferstehung besteht, hätten die "Bosteros", wie die Boca-Fans auch genannt werden, kaum erwartet. Es ist zwar kein Finale, aber fast: In der Nacht auf Mittwoch (2.30 Uhr MEZ) treffen die beiden Teams im Halbfinale-Hinspiel der Copa Libertadores aufeinander.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.

Dieses Mal dürfte die Polizei bereit sein. Nach dem Debakel vom Vorjahr, bei dem die Bundespolizei versagt hatte, übernehmen wieder die lokalen Behörden. 1500 Ordnungshüter wurden aufgeboten, alleine für den Transport der Boca-Spieler vom Mannschaftshotel bis ins Stadion. Vergangenen November waren es offenbar ein paar Hundert. Neben den 123 fix installierten Kameras auf der Strecke werden 50 weitere eingesetzt. Außerdem wurde Bocas Teambus mit Panzerglas ausgestattet. "Die Spieler könnten mit Steinen drauflos prügeln, die Scheiben zersplitterten nicht", berichtet Fahrer Darío Rubén Ebertz der Sportzeitung "Olé". Wie stabil das Fahrzeug wirklich ist, will die Polizei aber nicht testen lassen. Kein Zivilist soll während der Fahrt näher als 150 Meter an den Bus herankommen. Dazu führten Spezialeinheiten in den letzten Tagen Razzias bei Rivers Ultra-Gruppierung "Borrachos del Tablón" (Die Besoffenen von der Tribüne) durch, beschlagnahmten 13 Pistolen mit zahlreichen Projektilen.

Es dürfte also im ersten Anlauf Fußball gespielt werden. Zumindest von einem Team. Denn unter Erfolgstrainer Marcelo Gallardo treten die "Millionarios" offensiv und mutig auf. Boca hingegen, bereits im verlorenen Finale eher defensiv orientiert, hat nicht nur im letzten Ligaduell gegen River (0:0) unter Anweisung des neuen Coachs Gustavo Alfaro den Bus vor dem eigenen Tor geparkt. "Eine Art Guardiola gegen Mourinho" sei das Aufeinandertreffen der beiden Argentinier, findet "Olé". Dennoch startet Boca nicht zwingend als Außenseiter, in der Liga führen "Los Xeneizes" die Tabelle an, bekamen erst in der 80. Minute des 8. Spieltages das erste Gegentor. River Plate startete eher durchzogen, belegt mit 14 Punkten den siebten Rang.

Doch die Tabelle hat in diesem verfeindeten Duell noch nie eine Rolle gespielt. Und das alles wegen ein paar erfundener Leserbriefe.

Nav-AccountCreated with Sketch. heute.at TimeCreated with Sketch.| Akt:
NewsSportFußball

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen