Notarzt brauchte 40 Minuten

19-Jähriger tot – Rettungsheli konnte nicht landen

Ein 19-jähriger Mann ist in der Steiermark nach einem Notfall verstorben – offenbar, weil die Hilfe zu spät kam. Das entfacht eine alte Debatte.
André Wilding
24.10.2025, 19:50
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Ein tragischer Vorfall sorgt in der steirischen Region Eisenstraße für große Betroffenheit: Ein 19-jähriger Ungar ist auf dem Weg von Altenmarkt nach Admont plötzlich zusammengebrochen und verstorben.

Der junge Mann war laut "Kronen Zeitung" Beifahrer in einem Auto, als er über Übelkeit klagte. Der Lenker hielt an, der 19-Jährige stieg aus und brach kurz darauf zusammen. Trotz sofort alarmierter Rettungskräfte vergingen mehr als 40 Minuten, bis der Notarzt am Unfallort eintraf – zu spät, um das Leben des jungen Mannes zu retten.

Rettungshubschrauber konnte nicht landen

Die Ursache für die Verzögerung: dichter Nebel. Der angeforderte Rettungshubschrauber konnte zwar starten, aber am Einsatzort am Buchauer Sattel nicht landen. Eine bodengebundene Einheit musste einspringen – mit fataler Verzögerung. Der junge Mann starb vermutlich an einem Herz-Kreislauf-Versagen.

Der Vorfall entfacht erneut eine Debatte über die unzureichende notärztliche Versorgung in der Region. Otto Marl, Leiter der Rotkreuz-Bezirksstelle Liezen, findet in der "Krone" deutliche Worte: "Ich bin kein Arzt und kann nicht beurteilen, ob eine schnellere Versorgung das Leben des Mannes gerettet hätte."

"Rettungskette hat zu lange gedauert"

Aber: "Fakt ist jedoch, dass die Rettungskette zu lange gedauert hat. Seit Jahren warnen wir davor, dass genau solche Fälle passieren können, aber leider wurden und werden wir ignoriert."

Im flächenmäßig größten Bezirk Österreichs, der größer ist als das Bundesland Vorarlberg, existieren derzeit nur drei Notarzt-Stützpunkte – in Rottenmann, Schladming und Bad Aussee. Besonders in der dünn besiedelten Region Eisenstraße ist das Rettungsnetz lückenhaft. Eine zusätzliche Belastung: Der Notarzt-Stützpunkt im nahen Waidhofen/Ybbs soll 2026 geschlossen werden.

Der Notarzt brauchte über 40 Minuten und konnte das Leben des jungen Mannes nicht mehr retten.
Getty Images / Symbolbild

Im Bezirk Liezen fordert man daher vehement politische Maßnahmen. "Alle leisten hervorragende Arbeit, aber der Hubschrauber kann zu oft nicht landen, und bodengebunden dauert es etwa in der Region Wildalpen eine Stunde, bis der nächste Notarzt aus Rottenmann eintrifft", sagt Marl zur "Krone". Die Forderung nach einem neuen Stützpunkt in der Region ist nicht neu – und wird nun wieder lauter.

"Schleppende Umsetzung der Reform des Sanitätergesetzes"

Auch der Bundesverband Rettungsdienst meldete sich nach dem tragischen Unfall des jungen Mannes zu Wort. "Wir möchten darauf hinweisen, dass die schleppende Umsetzung der Reform des Sanitätergesetzes aus unserer Sicht ein ebenso maßgeblicher Faktor ist, weshalb Patienten nicht die Versorgung erhalten, die sie im Notfall benötigen würden", heißt es gegenüber "Heute".

Und weiter: "Notfallsanitäter mit Notfallkompetenzen und entsprechendem Equipment könnten venöse Zugänge etablieren und relevante Medikamente verabreichen." Dass aber nur Notärzte Patienten helfen können, sei nicht richtig und auch international nicht üblich.

"Präklinisches nicht ärztliches Personal ist egal wo in Europa in der Lage, Patienten eigenverantwortlich zu versorgen und zu stabilisieren. Bei besonders komplexen Fällen bedarf es dann der Kompetenzen von präklinisch tätigen Notärzten. Gleichzeitig können Notfallsanitäter in Fällen, wo es nicht unbedingt eine Hospitalisierung benötigt, Patienten vor Ort belassen", teilt ein Sprecher vom Bundesverband Rettungsdienst mit.

Überfüllte Notaufnahmen, lange Wartezeiten

Angesichts einer "zunehmenden demographischen Veränderung, Restrukturierung der Krankenhauslandschaft, dem Rückgang der niedergelassenen Versorgung und einer stagnierenden Zahl an Zivildienern sowie dem Rückgang an Freiwilligen kommen diese Umstände als überfüllte Notaufnahmen bzw. lange Wartezeiten zum Vorschein".

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